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Nach Attacke auf Muslime
Londons Bürgermeister setzt Zeichen gegen Hass und Gewalt

Nach Terror gegen Muslime: Londons Bürgermeister setzt Zeichen
Ein Plakat in der Nähe der Anschlagsortes im Finsbury Park im Norden Londons trägt die Aufschrift "Vereint gegen den Terror". FOTO: afp
London. Londons Bürgermeister Sadiq Khan setzt nach dem Terror-Anschlag auf muslimische Gläubige am Montag ein Zeichen der gegen Hass und Gewalt. Inzwischen ist der Verdächtige als Familienvater identifiziert.

"London steht weiterhin zusammen", schrieb Khan nach dem Treffen mit Mitgliedern der betroffenen Moschee-Gemeinde zum gemeinsamen Fastenbrechen in der Nacht zum Dienstag auf Twitter. Es habe ihn bewegt, wie Londoner unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Herkunft zusammengekommen seien, "um geeint zu stehen gegen jene, die uns spalten wollen".

Auf Fotos war Khan zusammen mit dem Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn und Mitgliedern der muslimischen Gemeinde beim Iftar zu sehen - dem festlichen Fastenbrechen.

Attentäter als Familienvater identifiziert

Britische Medien identifizierten den Verdächtigen als einen 47-jährigen Vater von vier Kindern namens Darren O. aus Cardiff in Wales. Er soll am Montagabend einen Lieferwagen in eine Gruppe von muslimischen Gläubigen gesteuert haben. Ein Mann starb am Tatort und mindestens neun Menschen wurden verletzt, als Muslime gerade vom Abendgebet kamen.

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Sicherheitsminister Ben Wallace erklärte, der Mann sei den Behörden nicht bekannt. Die Polizei geht von einem Terroranschlag aus. Die Behörden wurden unterdessen mit dem Vorwurf konfrontiert, den Fall nicht schnell genug als Terrortat deklariert zu haben.

May verteidigt Polizei nach Vorwürfen

Der Angriff am Montag traf eine Gesellschaft, die sich derzeit im Visier von islamistischen Extremisten sieht. In drei Monaten erlebte Großbritannien bereits drei Terror-Anschläge.

In einer im Fernsehen übertragenen Ansprache sagte Premierministerin Theresa May, der Angriff habe wie jede Tat von Terroristen das Ziel gehabt, die Gesellschaft zu spalten und kostbare Bände von Solidarität und Bürgerschaft zu brechen. "Wir werden das nicht geschehen lassen", so May.

Die Politikerin trat zudem dem Vorwurf entgegen, die Tat nicht schnell genug als Terroranschlag behandelt zu haben. Die Polizei sei nach einer Minute am Tatort gewesen und habe den Zwischenfall innerhalb von acht Minuten zu einem Terrorangriff erklärt. Das war allerdings nicht gleich so eindeutig kommuniziert worden: Die Polizei sagte zunächst, Anti-Terror-Ermittler hätten den Fall übernommen, der alle Anzeichen einer terroristischen Tat trage.

Khan: London kein Platz für Hassverbrechen

Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan und Vertreter der muslimischen Gemeinde waren die ersten, die explizit von einem Terrorangriff sprachen. Die Bestätigung kam schließlich von der Londoner Polizeichefin Cressida Dick. Der Angriff sei eindeutig eine Attacke auf Muslime gewesen, sagte sie. Die Polizeichefin versprach, die Sicherheit in muslimischen Gemeinden in den kommenden Tagen zu erhöhen.

Bürgermeister Khan rief die Bevölkerung zum Zusammenhalt auf. Die Attacke greife genau wie jene in Manchester, Westminster und an der London Bridge gemeinsame Werte wie Toleranz, Freiheit und Respekt an. Hassverbrechen hätten keinen Platz in der britischen Hauptstadt, sagte er. Mitarbeiter von britischen Sicherheitsbehörden sagen, dass die Zahl der Hassverbrechen gegen Muslime jüngst um das Fünffache gestiegen ist.

Der Chef des Muslimischen Wohlfahrtsverbandes, Toufik Kacimi, erklärte gegenüber dem Fernsehsender Sky News, der Fahrer habe den Lieferwagen absichtlich in die Gläubigen gesteuert. Er habe gesagt: "Ich habe meinen Teil getan" und sei daher offensichtlich nicht psychisch krank, sondern ein Terrorist, so Kacimi. Der Imam habe indes die Menge davon abgehalten, den Mann umzubringen.

Bei dem Angriff nutzte der Fahrer die Taktik der islamistischen Angreifer an der Westminster Bridge und an der London Bridge. Bei einem Popkonzert in Manchester hatte sich ein islamistischer Extremist in die Luft gesprengt.

(sbl/ap)
 
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