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Nach tödlichem Angriff
UN will Hilfskonvois in Syrien wieder losschicken

Nach tödlichem Angriff: UN will Hilfskonvois in Syrien wieder losschicken
Bei dem Angriff kamen mehr als 20 Zivilisten ums Leben. FOTO: rtr, ALH/
Genf. Nach dem tödlichen Angriff auf einen Hilfskonvoi in Syrien wollen die Vereinten Nationen ihre Hilfslieferungen rasch wieder aufnehmen.

"Die Vorbereitungen für diese Konvois wurden wiederaufgenommen, und wir sind bereit, so schnell wie möglich wieder Hilfe zu den belagerten und schwer erreichbaren Gebieten zu bringen", erklärte das UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (Ocha) am Mittwoch in Genf.

Bei dem Angriff auf Lastwagen und ein Lagerhaus mit Hilfslieferungen in der Nähe von Aleppo waren am Montagabend 20 Menschen getötet worden. Die UNO hatte daraufhin ihre Lieferungen an die notleidende Bevölkerung in dem Bürgerkriegsland vorerst eingestellt. Die USA machten Russland und die syrische Führung für die Angriffe verantwortlich, Moskau weist dies zurück.

Kerry: Russland soll Verantwortung übernehmen

US-Außenminister John Kerry appellierte bei einer Krisensitzung des UN-Sicherheitsrats an Russland, die Verantwortung für den Luftangriff auf den Hilfskonvoi zu übernehmen. Zum Zeitpunkt der Attacke seien nur russische Flugzeuge und Maschinen der syrischen Regierungstruppen in der Luft gewesen, sagte Kerry.

Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums erklärte jedoch, russische Kampfjets hätten in dem Gebiet "keine Luftangriffe" ausgeführt. Es gebe dort gar keine russischen Flugzeuge. Stattdessen sei zum Zeitpunkt des Angriffs eine Kampfdrohne der internationalen Militärkoalition in der Nähe gewesen.

Die Drohne vom Typ Predator sei am Montagabend in einer Höhe von 3600 Metern über dem nordsyrischen Bezirk Orum al-Kubra geflogen. Etwa eine halbe Stunde nach dem Angriff auf den Konvoi habe sie das Gebiet wieder verlassen. Kampfdrohnen dieses Typs werden von den USA genutzt, der Ministeriumssprecher wies den USA aber nicht explizit die Verantwortung zu.

Trotz der neuen Spannungen zwischen den USA und Russland gingen die diplomatischen Bemühungen um eine Rettung der mühsam ausgehandelten Waffenruhe weiter. Im Syrien-Konflikt gehe es inzwischen um "Alles oder Nichts", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bei der Sitzung des UN-Sicherheitsrats, an der auch Kerry und sein russischer Kollege Sergej Lawrow teilnahmen. Nur durch eine Wiederaufnahme der Gespräche könne es für die Syrer "einen Ausweg aus der Hölle" geben.

Kerry appellierte an Russland, die Einsätze der syrischen Luftwaffe zu stoppen. Moskau müsse die syrische Regierung dazu bringen, ihre Luftwaffe aus den "Schlüsselgebieten" in Nordsyrien abzuziehen.

Die von Kerry und Lawrow ausgehandelte Waffenruhe war am Montag nach einer Woche von der syrischen Armee für beendet erklärt worden. Seither entbrannten die Kämpfe wieder mit voller Wucht. Vor allem die nordsyrische Großstadt Aleppo wurde in der Nacht zum Mittwoch wieder heftig bombardiert, wie ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Bei einem Luftangriff auf ein Dorf bei Aleppo wurden zudem vier Rettungskräfte getötet. Nach Angaben der Organisation UOSSM starben bei dem Angriff in Chan Tuman am Dienstagabend zwei Sanitäter und zwei Rettungswagenfahrer, die Opfer eines vorangegangenen Angriffs bergen wollten. Zunächst war auch von einem zerstörten Krankenhaus die Rede gewesen. Diese Angaben nahm die Hilfsorganisation später wieder zurück.

UN will Vorfall weiter untersuchen

Die Vereinten Nationen haben derweil nach dem Angriff auf den Konvoi eine Untersuchung angekündigt. "Ich schaue mir Möglichkeiten an, um diese und andere Gräueltaten gegen Zivilisten energisch zu untersuchen", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch in New York vor dem UN-Sicherheitsrat. Der Angriff sei eine "Schandtat" gewesen. 

(lai/afp/dpa)
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