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Militärbündnis
Nato stockt schnelle Eingreiftruppe auf

"Noble Jump": Nato-Speerspitze trainiert für den Ernstfall
"Noble Jump": Nato-Speerspitze trainiert für den Ernstfall FOTO: dpa, nie fpt
Brüssel. Die Nato-Verteidigungsminister haben gleich zu Beginn ihrer zweitägigen Beratungen die Aufstockung der schnellen Eingreiftruppe beschlossen. Sie soll von derzeit 13.000 auf 40.000 Soldaten ausgebaut werden.

Zudem wurden am Mittwoch militärische Verbesserungen beschlossen, die es ermöglichen sollen, einem bedrohten oder angegriffenen Allianzmitglied schnell zur Hilfe eilen zu können. Der Ministerrat wies Vorwürfe zurück, die Nato lasse sich so auf einen Rüstungswettlauf ein, der an die Zeiten des Kalten Krieges erinnere.

"Wir stehen vereint den Herausforderungen gegenüber, mit denen wir konfrontiert sind", sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.
Zuvor hatte er Vorwürfe zurückgewiesen, das Militärbündnis trage maßgeblich zu einer neuen Eiszeit im Verhältnis zu Russland bei. "Die Nato wird sich nicht in einen Rüstungswettlauf hineinzerren lassen, aber wir müssen in unseren Ländern für Sicherheit sorgen", sagte er noch vor Beginn des Verteidigungsministerrats in Brüssel. Moskau fühlt sich durch den Aufbau von Truppen der Nato nahe seiner Grenzen bedroht.

Stoltenberg sagte, die Nato passe sich nur den gegenwärtigen Realitäten an. Er verwies auf die Annektierung der Krim durch Moskau sowie großangelegte Manöver Russlands und nukleare Rhetorik.

Bei ihrem letzten Treffen im Februar in Brüssel hatten die Verteidigungsminister die Schaffung einer schnell verlegefähigen multinationalen Einsatzgruppe von 5000 Soldaten beschlossen. Diese könnte jedem Nato-Mitglied, das sich von Russland oder durch andere externe Bedrohungen gefährdet sieht, binnen 48 Stunden zu Hilfe kommen.

Es wird erwartet, dass die Minister ferner über Luft-, See- und Spezialeinheiten entscheiden werden, um diese sogenannte Speerspitzentruppe zu ergänzen. Der US-Botschafter bei der Nato, Douglas Lute, prognostizierte einen beträchtlichen Beitrag der USA dazu.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hatte am Dienstag bei einem Besuch in Estland gesagt, die Vereinigten Staaten stationierten rund 250 Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und andere Militärausrüstung in einem halben Dutzend Ländern an der Ostgrenze der Nato, die sich von Russland besonders bedroht fühlen.

Die Nato wurde 1949 gegründet, um die damalige Sowjetunion davon abzuhalten, mit ihren Panzern und Soldaten Westeuropa zu überrennen.
Heute stellt offenbar nicht nur Moskau eine Bedrohung für die Nato dar, sondern unter anderem auch eine steigende Anzahl radikaler muslimischer Extremisten.

"Heute werden wir Entscheidungen treffen, um unsere kollektive Verteidigung zu stärken, und wir werden dies tun, weil es die Nato mit einem neuen und schwierigeren Sicherheitsumfeld zu tun hat", sagte Stoltenberg zu Reportern.

Es wird erwartet, dass die Verteidigungsminister dem obersten Nato-Kommandeur in Europa, US-Luftwaffengeneral Philip Breedlove, mehr Autorität gewähren, um Soldaten zu mobilisieren. Stoltenberg betonte aber, dass im Falle einer Stationierung die Nato-Mitgliedsstaaten weiterhin "volle politische Kontrolle" über Handlungen der Allianz hätten. Lute sagte, Breedlove werde mehr Spielraum gegeben, um die Reaktionstruppe zu alarmieren und zusammenzustellen.

(ap)
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