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Afghanistan: Nato gibt zivile Todesopfer bei Luftangriff zu

zuletzt aktualisiert: 08.09.2009 - 13:38

Kabul (RPO). Die Nato hat erstmals zugegeben, dass bei dem von der Bundeswehr angeordneten Luftangriff in Afghanistan auch Zivilisten verletzt und getötet wurden. Die Nato-Truppe ISAF erklärte am Dienstag in Kabul, davon sei nach einer ersten Untersuchung auszugehen.

Erste Untersuchungen lassen die ISAF nach eigenen Angaben davon ausgehen, "dass Aufständische, aber auch Zivilisten durch den Luftangriff getötet und verletzt wurden". Die genaue Zahl der zivilen Opfer solle bei einer gründlichen Untersuchung des Vorfalls in der nordafghanischen Provinz Kundus festgestellt werden.

Das Bundesverteidigungsministerium hatte bisher die Zahl von 56 getöteten Taliban bekannt gegeben. Afghanische Stellen sprachen hingegen auch von zivilen Todesopfern. Die Taliban behaupten, mindestens 79 Menschen - ausschließlich Zivilisten - seien bei dem Angriff ums Leben gekommen.

Untersuchung dauert Wochen

Der Oberbefehlshaber der US- und Nato-Truppen in Afghanistan, Stanley McChrystal, beauftragte nach Angaben der ISAF Offiziere aus Deutschland, den USA und Kanada mit der Untersuchung des Luftangriffs. Sie sollen sich demnach mit der von Afghanistans Staatschef Hamid Karsai eingesetzten Ermittlungsgruppe abstimmen. Die Untersuchung werde voraussichtlich mehrere Wochen dauern; die Ergebnisse würden den afghanischen und den deutschen Behörden zur Verfügung gestellt, teilte die ISAF weiter mit.

Die Nato-Luftangriff am Freitag war von dem deutschen Oberst Georg Klein angefordert worden, nachdem mutmaßliche Taliban-Kämpfer zwei Tanklastwagen in ihre Gewalt gebracht hatten. Klein sei davon ausgegangen, dass sich keine Zivilisten in der Nähe der Lastwagen aufhielten, erklärte die ISAF. Laut Augenzeugen waren aber Dutzende Zivilisten vor Ort, um sich Treibstoff aus den Lastern zu nehmen.

Merkel drückt Bedauern aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nahm in einer Regierungserklärung vor dem Bundestag zu den Berichten über zivile Opfer Stellung. "Unschuldig verletzte und zu Tode gekommene Menschen auch und gerade infolge deutschen Handelns bedauere ich zutiefst", sagte Merkel. "Jeder in Afghanistan unschuldig zu Tode gekommene Mensch ist einer zuviel. Wir trauern um jeden einzelnen."

Die Kanzlerin verwies darauf, dass es über zivile Opfer widersprüchliche Meldungen gebe. Sie sicherte zu, dass ihre Regierung "nichts beschönigen" werde. Sie werde aber auch keine Vorverurteilungen akzeptieren. "Ich verbitte mir das und zwar von wem auch immer, im Inland wie im Ausland", sagte Merkel. Sie hob außerdem die Bedeutung des deutschen Engagements in Afghanistan im Kampf gegen den Terrorismus hervor.

Quelle: AFP/csr

 
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