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Luftschlag in Afghanistan
Nato soll bei Angriff zehn Kinder getötet haben
Luftschlag in Afghanistan: Nato soll bei Angriff zehn Kinder getötet haben
In Afghanistan ist es erneut zu einem tragischen Zwischenfall gekommen. FOTO: dpa
Asadabad. Gegen die NATO in Afghanistan sind Vorwürfe laut geworden, bei einem Luftangriff mindestens zehn Kinder getötet zu haben. Während örtliche Behördenvertreter am Sonntag erklärten, die Kinder seien am Samstagabend in der Provinz Kunar bei einem Einsatz mit örtlichen Kräften umgekommen, sprach die NATO von bis zu zehn verletzten Frauen und Kindern. Bei Angriffen am Samstag wurden zudem sechs NATO-Mitarbeiter getötet.

Nach Angaben der örtlichen Behördenvertreter ereignete sich der NATO-Angriff am Samstagabend im Bezirk Schigal in der Provinz Kunar an der Grenze zu Pakistan. Die afghanischen und US-Truppen hätten sich zunächst Gefechte mit aufständischen Taliban geliefert.

Tod eines US-Zivilisten

Laut einem Sprecher der Provinzregierung wurden dabei ein US-Bürger getötet und vier afghanische Sicherheitskräfte verletzt. Die US-Truppen hatten am Samstag bereits den Tod eines US-Zivilisten mitgeteilt. Ein Sprecher der NATO-Truppe ISAF bestätigte, dass es sich um denselben Vorfall handelte.

Aus afghanischen Sicherheitskreisen verlautete, die Truppen hätten dann mit der Bombardierung reagiert. "Wir wussten nicht, dass Frauen und Kinder im Haus waren", sagte der Sicherheitsvertreter. Die Taliban hätten die Zivilisten als Schutzschilder missbraucht.

Zur konkreten Opferzahl lagen zunächst unterschiedliche Angaben vor. Laut einem Provinzsprecher wurden neben den zehn Kindern auch acht Kämpfer getötet. Zudem seien sechs Frauen verletzt worden. Dem Gouverneur von Schigal, Abdul Sahir, zufolge wurden die Leichen der Kinder ins Stadtzentrum gebracht. Die verletzten Frauen seien ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dem Sicherheitsbeauftragten von Schigur, Sajed Rahman, zufolge wurde bei dem Einsatz auch eine Frau getötet.

15 Mitglieder einer Familie

Das Innenministerium sprach in einer Mitteilung von sechs getöteten Taliban. Die Taliban selbst verkündeten über den Kurznachrichtendienst Twitter den Tod von 22 Zivilisten. Unter den Toten seien 15 Mitglieder einer Familie. Die Taliban geben regelmäßig übertrieben hohe Opferzahlen an.

Ein NATO-Sprecher sagte auf Anfrage, bei dem Einsatz seien "bis zu zehn Frauen und Kinder verletzt, aber nicht getötet worden". Jedoch sei ein US-Zivilist getötet worden.

Die Provinz Kunar im Osten des Landes gilt als Hochburg der radikalislamischen Aufständischen. Die zahlreichen zivilen Opfer der NATO-Luftangriffe sorgen immer wieder für Streit zwischen der Führung in Kabul und der NATO. Im vergangenen Jahr war die Zahl der getöteten Zivilisten aber deutlich gesunken.

Bei einem weiteren Angriff im Süden Afghanistans wurden am Samstag zudem fünf NATO-Mitarbeiter getötet. Bei einem Anschlag in der Unruheprovinz Sabul im Süden starben drei US-Soldaten, eine für die NATO arbeitende US-Diplomatin, ein afghanischer Mitarbeiter des Militärbündnisses sowie mehrere afghanische Zivilisten.

Auf dem Weg zu einer Schule

US-Außenminister John Kerry sprach von einer "verachtenswerten Tat". Die Getöteten seien auf dem Weg zu einer Schule in der Provinzhauptstadt Kalat gewesen, um dort Bücher zu verteilen. Laut ISAF erfolgte der Angriff auf den Konvoi mit einer Autobombe. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban.

Die Anschläge fielen zusammen mit der Ankunft von US-Generalstabschef Martin Dempsey am Hindukusch. Mit sechs Todesopfern war es der blutigste Tag für die NATO-Kräfte in Afghanistan seit neun Monaten. Am 8. Juli 2012 waren sieben NATO-Soldaten bei Angriffen im Osten und Süden des Landes getötet worden.

Quelle: AFP/felt/sgo
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