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Los Angeles: Naziverfolger Simon Wiesenthal ist tot

zuletzt aktualisiert: 20.09.2005 - 09:08

Los Angeles (rpo). Im Alter von 96 Jahren ist in Wien der Holocaust-Überlebende Simon Wiesenthal gestorben. Wiesenthal sei in seinem Haus friedlich entschlafen, teilte ein Sprecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles mit. Wiesenthal gründete nach dem Krieg ein Dokumentationszentrum zum Massenmord an den Juden und war an der Aufspürung von mehreren NS-Verbrechern wie Adolf Eichmann beteiligt.

Der gelernte Architekt gründete nach dem Krieg ein Dokumentationszentrum zum Massenmord an den Juden und war an der Aufspürung von mehreren NS-Verbrechern wie Adolf Eichmann beteiligt. Wiesenthal verstand sich stets als Stimme für die sechs Millionen Juden, die im Holocaust ihr Leben verloren. "Ich wollte, dass die Menschen im Rückblick auf die Geschichte wissen, dass die Nazis nicht in der Lage waren, Millionen von Menschen zu töten, ohne straffrei zu bleiben", sagte er einmal.

Wiesenthal wurde am 31. Dezember 1908 als Sohn eines Kaufmanns in der galizischen Ortschaft Buczacz geboren. Nach dem Abitur studierte er in Prag und Lemberg und arbeitete danach in einem Architekturbüro. Nach dem Überfall deutscher Truppen auf die Sowjetunion wurde er 1941 zum ersten Mal verhaftet. 1943 floh er aus einem Arbeitslager, wurde aber wenige Monate später wieder festgenommen. Wiesenthal kam in insgesamt zwölf Konzentrationslager, seine Befreiung durch US-Truppen erlebte er 1945 in Mauthausen in Oberösterreich. Seine Frau Cyla überlebte in Warschau; ansonsten kamen aber alle Mitglieder der beiden Familien - insgesamt 89 Personen - ums Leben.

Im Auftrag der Amerikaner wirkte Wiesenthal nach dem Krieg an den ersten Ermittlungen gegen NS-Verbrecher mit. In Linz war er 1947 an der Gründung eines ersten Dokumentationszentrums beteiligt, dem nach der Verhaftung Eichmanns ein weiteres in Wien folgte. Die Aufspürung Eichmanns beschrieb Wiesenthal 1960 in seinem Buch "Ich jagte Eichmann", dessen Titel ihm die Bezeichnung "Nazi-Jäger" einbrachte. Insgesamt brachte Wiesenthal nach eigenen Angaben 1.100 NS-Täter vor die Justizbehörden. Nach ihm benannte Zentren gibt es in Wien, Los Angeles, Paris und Jerusalem. Auch in den letzten Jahren seines Lebens engagierte sich Wiesenthal gegen den Antisemitismus wie auch gegen Vorurteile anderen Gruppen und Völkern gegenüber.

Für sein Lebenswerk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. 1985 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz, im Februar 2004 wurde er von der britischen Königin Elizabeth II. zum Ritter geschlagen.

Quelle: ap

 
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