EU-Wettbewerbskommissarin: Neelie Kroes für zweite Amtszeit nominiert
zuletzt aktualisiert: 24.11.2009 - 20:16Brüssel (RPO). EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ist immer wieder für Überraschungen gut. Die jüngste: Kroes bleibt in Brüssel. Die niederländische Regierung nominierte die 68-Jährige am Dienstag für eine zweite Amtszeit, obwohl sie als Liberale der falschen Partei angehört. In Den Haag regiert eine schwarz-rote Koalition.
Wie Kroes' Kartellverfahren in den vergangenen fünf Jahren dürfte auch die Nachricht ihrer Wiedereinsetzung von vielen Konzernchefs als böse Überraschung aufgenommen werden. "Steely Neelie", die eiserne Neelie, wie sie oft genannt wird, hat sich als Wettbewerbskommissarin nicht gerade zimperlich gezeigt. Vor allem die deutschen Landesbanken können ein Lied davon singen.
In den Niederlanden hingegen hat Kroes eine Fangemeinde. Im Internet wurden Unterschriften für ihren Verbleib in Brüssel gesammelt. "Sehr viele Leute finden, sie sollte weitermachen", sagte der Initiator der Website, Eelco Keij, in der vergangenen Woche der Nachrichtenagentur AP.
Allerdings ist eher unwahrscheinlich, dass Kroes in der neuen Kommission wieder das Wettbewerbsressort übernimmt. Üblicherweise erhalten die EU-Kommissare für ihre zweite Amtszeit neue Zuständigkeiten. Auf diese Weise soll die Entstehung nationaler Erbhöfe in der mächtigen Brüsseler Behörde vermieden werden.
"Ich bin kein Pussy-Kätzchen"
Als sie 2004 Wettbewerbskommissarin wurde, hatte Kroes bereits eine lange Karriere hinter sich: In den 80er Jahren war sie Verkehrsministerin, anschließend Beraterin des damaligen EU-Verkehrskommissars, dann Universitätspräsidentin. Ab 2000 saß sie im Aufsichtsrat zahlreicher niederländischer und internationaler Unternehmen, was im EU-Parlament zunächst Zweifel an ihrer Eignung für das Wettbewerbsressort hervorrief. Kroes wies den Verdacht, sie werde Großkonzerne schonen, entschieden zurück: "Ich bin kein Pussy-Kätzchen", erklärte sie damals.
Das hat sich bestätigt: Die Niederländerin trieb das von ihrem Vorgänger Mario Monti eingeleitete Verfahren gegen den Software-Riesen Microsoft weiter voran und legte sich mit den großen deutschen Stromkonzernen an. In der Finanzmarktkrise allerdings hat sie viele Zugeständnisse gemacht. Die milliardenschweren Bank-Beihilfen wurden, wenn auch unter Auflagen, letztlich alle genehmigt.
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