Krise spitzt sich zu: Neue Unruhen in Tibet
zuletzt aktualisiert: 29.03.2008 - 20:44Peking (RPO). Trotz eines Appells der EU an China, mit Tibet in einen Dialog zu treten, hat sich die Krise erneut zugespitzt. Nach Protesten sperrten die chinesischen Sicherheitskräfte Teile Lhasas ab. Die neuen antichinesischen Proteste hätten gegen 14.00 Uhr (Ortszeit) am Ramoche-Kloster begonnen, es seien "viele Menschen" beteiligt, berichteten Augenzeugen.
Es gab zunächst keine Informationen über Verletzte oder Festnahmen. Das Kloster war bereits bei den schweren Unruhen am 14. März der Ausgangspunkt der Proteste. Auch am Jokhang-Kloster in Lhasa soll es eine Demonstration gegeben haben, wie die tibetische Exilregierung meldete.
Der Sender Radio Free Asia berichtete unter Berufung auf Augenzeugen von mehren hundert Teilnehmern an den Protesten. Es habe Handgemenge gegeben. "Die Leute rannten in alle Richtungen", wurde ein weiterer Augenzeuge zitiert. "Es war ein riesiger Protest. Die Leute schrien." Die Klöster Ramoche und Jokhang sind Augenzeugen zufolge abgeriegelt.
Die chinesische Regierung hatte am Samstag eine Kurzbesuch von internationalen Diplomaten in Lhasa organisiert, denen sie ihre Sicht der Vorfälle vor zwei Wochen erläuterte. Eine ähnliche Reise für Journalisten am Donnerstag wurde von etwa 30 Mönchen genutzt, um vor der Weltöffentlichkeit Religionsfreiheit und die Einhaltung der Menschenrechte in Tibet zu fordern.
EU verzichtet auf Boykott-Aufruf
Die Europäische Union hat unterdessen auf einen gemeinsamen Boykottaufruf für die Olympischen Spiele in Peking verzichtet. In einer Erklärung zum Abschluss ihres Treffens im slowenischen Brdo riefen die EU-Außenminister das geistliche Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama, und die chinesische Führung am Samstag lediglich zu einem "konstruktiven Dialog" auf. Die im August stattfindenden Olympischen Spiele werden in der Erklärung nicht erwähnt. Das harte Durchgreifen der chinesischen Sicherheitskräfte gegen Demonstranten in Tibet hatte die Frage eines Olympia-Boykotts aufgeworfen.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte, viele hätten in Brdo zum Ausdruck gebracht, "dass eine politische Instrumentalisierung des Sports, wie sie von manchen beabsichtigt worden ist mit Ankündigungen von Boykott, keine angemessene Reaktion wäre".
Der französische Außenminister Bernard Kouchner sagte, niemand sei für einen Boykott der Spiele. "Und über die Eröffnungszeremonie wollte niemand reden", sagte Kouchner. Spitzenpolitiker aus Polen und Tschechien hatten in den vergangenen Tagen erklärt, sie würden der Eröffnungsfeier fernbleiben. Auch die Bundesregierung will daran nicht teilnehmen.
Die anti-chinesischen Proteste in Tibet hatten am 10. März begonnen und waren vier Tage später eskaliert. Dabei wurden nach Angaben der tibetischen Exilregierung mindestens 135 Menschen getötet. Peking spricht von rund 20 Toten.
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