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Erster Parteitag in Nordkorea seit 1980
Experten erwarten Propaganda in Sachen Atomwaffen

Nordkorea: Erster Kongress der Kommunistischen Partei seit 1980
Am Eingang zur Tagungshalle hängen riesige Porträts von Kims Vorgängern. FOTO: afp, EJJ
Pjöngjang . In Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang hat am Freitag der erste Kongress der herrschenden Kommunistischen Partei seit 1980 begonnen. Dabei wird die Rede des 33-jährigen Machthabers Kim Jong Un mit Spannung erwartet.

Beobachter im In- und Ausland werden genauestens darauf achten, ob sie Hinweise auf einen Politikwandel oder personelle Veränderungen in der nordkoreanischen Führung enthält.

Dauer und Programm der Versammlung wurden nicht bekannt gegeben. Die rund hundert zugelassenen ausländischen Journalisten haben keinen Zugang zur Tagungshalle, an deren Eingang riesige Porträts von Kims Vorgängern - seines Vaters und seines Großvaters - prangen.

Nordkorea hat sich bemüht, die Einzelheiten geheimzuhalten. Aber so viel ist sicher: Der erste Kongress der herrschenden Arbeiterpartei seit 36 Jahren wird ein großes Spektakel, wie man es aus Zeiten des Kalten Krieges kennt.

Trotz aller Geheimniskrämerei im Vorfeld sind die Ziele Pjöngjangs weitgehend klar. Nordkoreas Schritte auf dem Weg zu einer glaubhaften Nuklearmacht werden bei dem Treffen unter Vorsitz von Kim Jong Un genauso propagiert werden wie angebliche wirtschaftliche Fortschritte trotz der härtesten globalen Sanktionen gegen das Land seit Jahrzehnten.

Keinen Zweifel gibt es auch daran, dass die politische Führung die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich ziehen will. Sonst immer auf Abdichtung bedacht, ist ein Heer von Journalisten aus allen möglichen Ländern zu dem Ereignis eingeladen worden.

Propaganda rund um die Uhr

Schon seit Monaten, unermüdlich, wurden in den Staatsmedien die Trommeln gerührt. Die offizielle Parteizeitung "Rodong Sinmun" verkündete am vergangenen Samstag in einem Leitartikel, dass sich Nordkorea seit dem letzten Kongress 1980 "mit Stolz in die Gruppe der fortgeschrittenen Atom- und Weltraummächte eingereiht hat (...) und nun in Richtung einer sozialistischen Wirtschaftsmacht und höchst zivilisierten Nation vorwärts prescht".

Aber mag das Treffen dem seit gut vier Jahren herrschenden Kim auch sehnlich erwünschtes internationales Rampenlicht bescheren, dürfte die einheimische Bühne wohl die größere Bedeutung haben. Delegierte aus allen Teilen des Landes werden nach Pjöngjang gebracht, wahrscheinlich eine endlos erscheinende Serie von Jubelreden produzieren und die Aufgabe haben, offiziell Mitglieder für einige Führungsgremien zu bestimmen. Das gibt Kim die Möglichkeit, sich formal die Zustimmung zu Personalentscheidungen zu holen, die er wahrscheinlich längst getroffen hat.

Die Nation denkt seit längerem an fast nichts anderes mehr als den Kongress, die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Pjöngjang wurde herausgeputzt, noch mehr Poster und Plakate als ohnehin sonst schon preisen die "mütterliche Partei" und die "Partei der Sieger". Es gab eine 70-tägige "Kampagne der Treue", in der die Nordkoreaner aufgerufen waren, ihre Hingabe und Loyalität zum Regime zu demonstrieren - etwa durch verstärkte Produktivität oder der Teilnahme an ideologisch getränkten Gruppenveranstaltungen.

Bevölkerung soll kameraträchtig Unterstützung und Einigkeit demonstrieren

Die Kampagne ging am Montag zu Ende, aber Einwohner Pjöngjangs proben weiterhin in Scharen auf verschiedenen Plätzen die Großkundgebungen, die den Kongress begleiten sollen. Die Bevölkerung soll kameraträchtig Unterstützung und Einigkeit demonstrieren - das alles natürlich sorgfältig orchestriert.

International hat es Kim jüngst schon auf eine Menge internationaler Schlagzeilen gebracht, als Nordkorea mit Wortgetöse und Drohungen auf ein amerikanisch-südkoreanisches Manöver nahe der demilitarisierten Zone reagierte. Die bisher umfassendsten gemeinsamen Militärübungen folgten einem nordkoreanischen Atomtest im Januar, dem Start einer Langstreckenrakete wenig später und einer neuen Runde von UN-Sanktionen als Reaktion darauf.

Viele der nordkoreanischen Verbalattacken klangen so, wie man es als Begleitmusik zu den Manövern gewohnt ist, die in jedem Frühjahr stattfinden. Aber ein Teil der Propaganda, darunter Bilder von Kim, der das Abfeuern von U-Boot-gestützten Raketen beobachtet oder neben einer Sprengkopfattrappe steht, hat doch Militäranalysten im Ausland nachdenklich gestimmt. Sie fragen sich, ob Nordkorea vielleicht mit seinem Atom- und Raketenprogramm stärker vorangekommen ist als bisher gedacht.

Der Parteikongress ist der siebte in der Geschichte Nordkoreas. Das Ereignis 1980 dauerte vier Tage, mehr als 3000 Delegierte nahmen teil. Vertreter freundlich gesonnener Parteien im Ausland waren auch damals eingeladen. Eröffnet wurde die Versammlung von Staatsgründer Kim Il Sung, dem "ewigen Präsidenten", und er nutzte sie hauptsächlich zur Einführung seines Sohnes Kim Jong Il als Thronfolger. Dieser trat die Nachfolge dann tatsächlich erst 1994 an, nach dem Tod seines Vaters. Es wird erwartet, dass Kim Jong Un wie sein Großvater auf dem Kongress redet - ein Gegensatz zu seinem äußerst schweigsamen Vater Kim Jong Il, der nur ganz selten in der Öffentlichkeit sprach.

So etwas Monumentales wie seinerzeit die Bekanntgabe des designierten Nachfolgers wird es diesmal wohl nicht geben. Nordkoreanische Offizielle selber nennen die von Kim Jong Un wiederholt versprochene Verbesserung des Lebensstandards der Nation als ein Schlüsselthema.

"Die wirkliche Quelle der Macht in unserem Land sind nicht Atomwaffen oder andere militärische Mittel, sondern es ist die zielgerichtete Einheit des Volkes und des Führers", sagte Außenminister Ri Su Yong in der vergangen Woche der Nachrichtenagentur AP in einem Interview. "Und die Macht der Einheit, die wir haben, ist die wirkliche Quelle der Macht, die unser Land zum Sieg führt."

(felt/AFP/ap)
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