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Streit um Atomwaffenprogramm
US-Geheimdienst: Nordkorea produziert wieder Plutonium

Februar 2016: Kim Jong Un freut sich über Raketenstart
Februar 2016: Kim Jong Un freut sich über Raketenstart FOTO: afp, jyj/tbr
Washington. Das kommunistische Nordkorea hat nach Erkenntnissen des US-Geheimdiensts den Atomreaktor Yongbyon mit der Möglichkeit zur Produktion von Plutonium wieder hochgefahren.

Aus dem Reaktor könne in "wenigen Wochen oder Monaten" Plutonium verfügbar sein, erklärte  US-Geheimdienstkoordinator James Clapper am Dienstag. Die Führung in Pjöngjang habe beschlossen, eine Atomrakete zu entwickeln, mit der sie "die USA direkt bedrohen" könne.

"Wir gehen davon aus, dass Nordkorea seinen Reaktor hinreichend lange betreibt, um in den kommenden Wochen oder Monaten das Plutonium zu gewinnen", heißt es in Clappers Jahresbericht zur weltweiten Gefahrenlage. Die von Nordkorea vorgesehene Trägerrakete vom Typ KN08 sei bereits in der Öffentlichkeit vorgeführt, aber noch nicht im Flug getestet worden. Clapper ist der wichtigste Berater von US-Präsident Barack Obama in Geheimdienstfragen.

Die UNO hat wegen des nordkoreanischen Atomprogramms Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen das Land verhängt. Zuletzt hatten ein angeblicher Wasserstoffbombentest im Januar und der Abschuss einer Langstreckenrakete Nordkoreas im Februar für internationale Empörung gesorgt. Clapper kommt in seinem Bericht zu der Einschätzung, dass Nordkorea nach den jüngsten Tests "eine ernsthafte Bedrohung von US-Interessen" darstelle.

Die Staatsführung Nordkoreas hatte den Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, im Dezember 2002 enthüllt. Einige Jahre später wurde der Reaktorkomplex wieder dichtgemacht. Im Sommer 2013 zeigten aber Satellitenfotos, dass Nordkorea die Atomanlage wieder hochgefahren hatte. In Yongbyon können nach Experteneinschätzung bei voller Auslastung sechs Kilogramm Plutonium pro Jahr produziert werden - was für eine Atombombe ausreichen würde.

Obama sprach am Montag in zwei getrennten Telefonaten mit der südkoreanischen Präsidentin Park Geun Hye und dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe über weitere Sanktiongsmöglichkeiten gegen Nordkorea. Obama sei sich mit Abe und Park darüber einig, dass es eine "starke und einige internationale Antwort auf die Provokationen Nordkoreas" geben müsse, teilte das Weiße Haus mit.

Nach dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest am Sonntag plant das US-Militär die Stationierung eines Raketenabwehrsystems in Südkorea. Eine Einheit des mobilen THAAD-Systems solle "so schnell wie möglich" nach Südkorea verlegt werden, sagte Pentagon-Sprecher Peter Cook am Montag. In Washington hieß es, dass das THAAD-System binnen zwei Wochen verlegt werden könne. Das System feuert Abfangraketen ab, die feindliche Geschosse in der Luft zerstören. China lehnt die Stationierung des Waffensystems auf der koreanischen Halbinsel ab.

Der Atomreaktor Yongbyon befindet sich in der wichtigsten Atomanlage des Landes. Nach Expertenangaben besteht der Komplex rund hundert Kilometer nördlich der Hauptstadt Pjöngjang aus einem fünf Megawatt starken Forschungsreaktor sowie Zentren zur Aufbereitung von Plutonium und Brennstäben. In Yongbyon wurde Plutonium produziert, das Nordkorea für seinen ersten Atomwaffentest im Oktober 2006 nutzte. Im Zuge von Verhandlungen über das Ende seines Atomprogramms sicherte Pjöngjang 2007 zu, die Plutonium produzierende Anlage abzuschalten.

(rent/AFP)
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