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Proteste nach neuem Test
Nordkorea schießt Rakete mit bisher größter Reichweite ab

Nordkorea schießt Rakete mit bisher größter Reichweite ab
Pjöngjang. Nordkorea hat eine Interkontinentalrakete mit der bisher größten Reichweite getestet. Der Abschuss löste weltweit scharfe Proteste aus. US-Präsident Trump kündigte eine Reaktion an. China zeigte sich besorgt nach dem Raketentest.

Nordkorea testete eigenen Angaben zufolge einen neuen Raketentyp: eine ballistische Interkontinentalrakete mit dem Namen Hwasong-15, so die Regierung in Pjöngjang am Mittwoch. Der Test sei erfolgreich verlaufen. Es seien nun "die gesamten Kontinental-USA" in Reichweite nordkoreanischer Raketen, hieß es in einer Erklärung in den staatlichen Medien. Nordkorea habe damit sein "historisches Ziel" erreicht, eine Atommacht zu werden.

US-Präsident Donald Trump kündigte nach dem Test eine Reaktion seines Landes an. "Wir werden uns darum kümmern. Das ist eine Situation, mit der wir umgehen werden", sagte Trump im Weißen Haus vor Reportern. Weiter führte er die Aussage nicht aus. International wurde der Raketentest scharf kritisiert.

China zeigte sich besorgt über Nordkoreas neuen Raketentest. Es rief Nordkorea und die USA zu Verhandlungen auf. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums äußerte am Mittwoch in Peking "große Sorge" über den Test und sprach sich für eine Beilegung des Konflikts über den Verhandlungsweg aus. 

US-Präsident Donald Trump. FOTO: rtr, JE/KTS

Keine Gefahr für Nordamerika

Nach Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums war die Interkontinentalrakete nach etwa 1.000 Kilometern vor der Ostküste Nordkoreas ins Meer gestürzt. Damit könnte es der weiteste Raketentest bisher gewesen sein. Das Geschoss habe keine Gefahr für Nordamerika oder verbündete Nationen dargestellt, hatte es zunächst geheißen. Interkontinentalraketen haben eine Reichweite von mehr als 5.500 Kilometern.

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, die Rakete sei so hoch geflogen wie keine andere zuvor. Dem Pentagon in Washington zufolge wurde der Flugkörper um 17.17 Uhr (MEZ) in Sain Ni in der Nähe von Pjöngjang abgefeuert. Nach Angaben der japanischen Regierung schlug er nach 53 Minuten Flugdauer weniger als 200 Seemeilen vor der Küste auf, also innerhalb der "Ausschließlichen Wirtschaftszone" Japans.

Im Juli hatte Pjöngjang bereits zwei Interkontinentalraketen getestet. Die Regierung in Seoul hatte am Dienstag auf Anzeichen für Bewegung auf einer nordkoreanischen Raketenbasis hingewiesen. Der letzte Raketenabschuss Nordkoreas war am 15. September erfolgt.

"Nicht da sitzen und zusehen"

Südkoreas Präsident Moon Jae In fordert im Nationalen Sicherheitsrat in Seoul härtere Sanktionen. FOTO: ap, AY

Der südkoreanische Präsident Moon Jae In hat nach dem Raketentest härtere Sanktionen gefordert. Die Tests bedrohten den Weltfrieden, sagte Moon bei einem Sondertreffen des südkoreanischen Nationalen Sicherheitsrats. Südkorea werde nicht einfach "da sitzen und zusehen", wie Nordkorea provoziere. Südkorea habe den erneuten Test einer ballistischen Rakete jedoch bereits befürchtet und sei vorbereitet gewesen. Der UN-Sicherheitsrat trifft sich am Mittwoch zu einer Dringlichkeitssitzung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf der nordkoreanischen Regierung vor, die internationale Sicherheit zu bedrohen. In einer Erklärung im Kurznachrichtendienst Twitter sprach Regierungssprecher Steffen Seibert in der Nacht von "Nordkoreas neuester Provokation". Es sei nun "wichtiger denn je, gegen die Bedrohung der internationalen Sicherheit durch Pjöngjang zusammenzustehen".

EU und Nato haben den jüngsten Raketenabschuss ebenfalls aufs Schärfste verurteilt. "Dies ist ein weiterer Bruch zahlreicher UN-Sicherheitsrats-Resolutionen, der die regionale und internationale Sicherheit untergräbt", urteilte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. "Nordkorea muss wieder in einen glaubwürdigen und gehaltvollen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft eintreten."

Auch die Europäische Union sprach von einem "weiteren inakzeptablen Verstoß" Nordkoreas gegen seine internationalen Verpflichtungen. Dies sei eine ernste Bedrohung der internationalen Sicherheit, sagte eine Sprecherin der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates.

Kim Jong Un beobachtet im September 2017 einen Raketenstart. FOTO: afp

Druck auf Pjöngjang erhöhen

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Raketentest als "unverantwortlich" verurteilt. Der Test stärke "unsere Entschlossenheit, den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen", schrieb Macron am späten Abend im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die geltenden EU-Strafmaßnahmen gegen Nordkorea sind schon heute schärfer als gegen alle anderen mit Sanktionen belegten Länder der Welt. Beispielsweise dürfen in das Land keinerlei Öl- und Ölprodukte mehr geliefert werden. Zudem sind Investitionen in Nordkorea verboten, um die Devisenbeschaffung zu verhindern.

Durch mehrere Raketen- und Atomtests in den vergangenen Monaten hatten sich die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA erheblich verschärft. Beide Seiten überzogen einander mit Drohungen und Kriegsrhetorik. Erst vor einer Woche haben die USA weitere Sanktionen gegen nordkoreanische und chinesische Firmen verhängt. 

Trump hat Nordkorea wieder auf die Liste der Staaten gesetzt, die nach US-Ansicht den Terrorismus unterstützen. Die Regierung in Pjöngjang nannte das eine schwere Provokation. Nordkorea habe mit dem Terrorismus nichts zu tun. 

(juju/laha/afp/dpa/reu/ap)
 
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