Neuer Raketentest: Nordkorea spricht von Krieg
zuletzt aktualisiert: 27.05.2009 - 06:19Seoul (RPO). Nordkorea ignoriert alle Warnungen und Angebote der Staatengemeinschaft: Wie eine südkoreanische Nachrichtenagentur berichtet, hat das Regime zwei Tage nach seinem unterirdischen Atomwaffentest erneut eine Kurzstreckenrakete abgefeuert. Zudem gibt es Hinweise, dass das Land wieder eine Atomanlage in Betrieb genommen hat. Dem Nachbarn Südkorea droht die nordkoreanische Führung mit einer militärischen Reaktion, sollte es Sanktionen geben.
Nordkorea hat die Beteiligung Südkoreas an einer internationalen Initiative zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen als Kriegserklärung bezeichnet. Die Streitkräfte erklärten am Mittwoch, sie würden mit militärischen Mitteln reagieren, wenn Südkorea im Rahmen dieses Programms nordkoreanische Schiffe aufbringen und durchsuchen würde. In der von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung heißt es weiter, man fühle sich nicht länger an den nach dem Koreakrieg vereinbarten Waffenstillstand gebunden.
Die Regierung in Seoul hatte nach dem Atomtest des Nordens am Dienstag mitgeteilt, das Land werde dem von den USA geführten Programm beitreten, das 2003 aufgelegt wurde, um Staaten wie Nordkorea oder Iran am Handel mit Raketen oder Nukleartechnologie zu hindern. Pjöngjang hatte bereits früher erklärt, einen Beitritt Südkoreas als Kriegserklärung zu betrachten. Dennoch liegt nach den jüngsten Provokationen eine solche Reaktion Südkoreas näher als bisher. Maßnahmen im Rahmen des Programms zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen gelten als einzige ernsthafte Möglichkeit, um gegen Nordkorea vorzugehen.
Am Montag hatte das nordkoreanische Militär zum zweiten Mal seit 2006 einen unterirdischen Atomtest vorgenommen und gleichzeitig drei Boden-Luftraketen getestet. Einen Tag später feuerte es erneut zwei Raketen zu Testzwecken ins Gelbe Meer. Nur Stunden später landete laut der südkoreanischen Nachrichtenegentur Yonhap eine weitere Rakete im Japanischen Meer auf der anderen Seite der koreanischen Halbinsel. Nordkorea warnte Schiffe davor, sich am Mittwoch von den Gewässern vor seiner Westküste aufzuhalten. Der UN-Sicherheitsrat berät derzeit über eine Resolution gegen das Land. Diese könnte die bereits bestehenden Sanktionen weiter verschärfen.
Zudem sollen US-Spionagesatelliten Hinweise darauf gefunden haben, dass die Regierung in Pjöngjang die Atomanlage in Yongbyon wieder in Betrieb genommen hat. Die Zeitung "Chosun Ilbo" berichtete unter Berufung auf südkoreanische Regierungskreise, aus einer Wiederaufarbeitungsanlage sei Dampf gekommen. Das Verteidigungsministerium in Seoul und der Geheimdienst des Landes bestätigten die Meldung zunächst nicht. Nordkorea hatte nach der internationalen Kritik am Test einer Langstreckenrakete Anfang April angekündigt, erneut mit der Wiederaufarbeitung Yongbyon beginnen zu wollen.
Unterdessen begann der UN-Sicherheitsrat in New York mit Beratungen über eine neue Resolution gegen Nordkorea wegen des Atomwaffentests vom Montag. Die amerikanische UN-Botschafterin Susan Rice sprach nach einem Treffen der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats mit Japan und Südkorea von einem sehr guten Beginn, machte aber zugleich deutlich, dass die Erarbeitung einer Resolution einige Zeit in Anspruch nehmen werde.
Der stellvertretende französische UN-Botschafter Jean-Pierre Lacroix hatte am Montag erklärt, dass sein Land eine Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea befürworte. Sein russischer Kollege Witali Tschurkin sagte am Dienstag, Moskau wolle eine starke Resolution. Der Sicherheitsrat hatte den Atomwaffentest einstimmig verurteilt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum