Trotz Warnungen: Nordkorea testet und verschärft den Ton
zuletzt aktualisiert: 29.05.2009 - 12:39Seoul (RPO). Nordkorea hat die internationalen Warnungen ignoriert und nach Angaben aus Seoul am Freitag erneut eine Kurzstreckenrakete getestet. Wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Freitag meldete, erfolgte der Test an der Ostküste des Landes.
Angesichts drohender Sanktionen wegen seines Atomwaffentests verschärfte Nordkorea zudem seine militante Haltung gegen den Rest der Welt. Sollte der UN-Sicherheitsrat Strafmaßnahmen beschließen, werde Nordkorea "weitere Maßnahmen der Selbstverteidigung" ergreifen", erklärte das Außenministerium in Pjöngjang nach einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA.
Bereits seinen Atomwaffentest am vergangenen Montag hatte das nordkoreanische Militär mit sogenannten Raketentests begleitet. Diese wurden als Reaktion auf die Kritik des Sicherheitsrats am Test einer Langstreckenrakete am 5. April begründet.
Die kommunistische Regierung erklärte nun laut KCNA: "Falls der UN-Sicherheitsrat eine weitere Provokation macht, sind weitere Selbstverteidigungsmaßnahmen für uns unvermeidlich". Die unterirdische Atomexplosion war als Selbstverteidigung bezeichnet worden. "Unsere Geduld ist begrenzt."
Nordkorea reklamierte in der Erklärung ein Recht auf Atomwaffentests und bezeichnete die Sicherheitsratsmitglieder als "Heuchler". "Der von unserer Nation durchgeführte Atomtest ist der 2054. auf der Erde. Die fünf ständigen Mitglieder haben 99,99 Prozent dieser Atomtests ausgeführt."
Der amerikanische Heereschef General George Casey sagte zu den nordkoreanischen Drohgebärden, die USA könnten nötigenfalls durchaus einen konventionellen Krieg gegen Nordkorea führen. Verteidigungsminister Robert Gates war am Freitag bei einer Reise nach Singapur dagegen bemüht, die Sache tiefer zu hängen: "Ich denke nicht, dass irgendjemand in der (US-) Regierung denkt, es gäbe eine Krise."
Allerdings hat Nordkorea in dieser Woche auch das Waffenstillstandsabkommen von 1953 aufgekündigt - in Abwesenheit eines Friedensabkommen befinden sich Nord- und Südkorea immer noch formell im Krieg. Beobachter vermuten, dass Nordkorea Gebietsansprüche im Gelben Meer durchsetzen will - die Waffenstillstandslinie in dem Seegebiet hat Pjöngjang immer kritisiert.
Die Krabbenfischer fliehen schon
Chinesische Krabbenfischer verließen am Freitag in großer Zahl die Fanggebiete vor der nordkoreanischen Westküste, in denen es 1999 und 2002 tödliche Zusammenstöße gegeben hat.
Yonhap meldete, rund ein dutzend Schiffe hätten den Hafen Yeonpyeong verlassen, der der Grenze am nächsten liegt. Von den 280 chinesischen Schiffen zu Beginn der Woche seien jetzt noch rund 140 in der Region - in der Hochsaison des Krabbenfangs.
Bei den Vereinten Nationen in New York kamen die Beratungen über eine Verschärfung der Sanktionen gegen Nordkorea nur schleppend voran. Russland teilte mit, die ständigen Mitglieder mit Vetorecht seien sich darüber einig, was in der Resolution drin stehen sollte, es sei aber "kompliziert", die einzelnen Element zusammenzufügen.
Eine Liste mit Vorschlägen wurde den fünf Veto-Mächten - China, Frankreich, Großbritannien, Russland und USA - sowie den in der Region direkt betroffenen Staaten Japan und Südkorea zugeleitet, hieß es. UN-Diplomaten sagten, ein Resolutionsentwurf sei nicht vor kommender Woche zu erwarten.
Der innerkoreanische Verkehr schien am Freitag trotz der harschen Töne aus Pjöngjang normal, meldete Yonhap. Mehr als 340 südkoreanische Arbeitskräfte seien zur Arbeit in einem gemeinsamen Industriekomplex im Norden gefahren.
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