| 15.35 Uhr

Atomprogramm
Nordkorea hat angeblich Wasserstoffbombe getestet

Nordkorea will Wasserstoffbombe getestet haben
Eine Wasserstoffbombe detornierte im Mai 1956 im Rahmen amerikanischer Atomtests über einer Insel des Eniwetok-Atolls im Pazifik. FOTO: dpa, rh htf
Pjöngjang. Nordkorea behauptet, eine Wasserstoffbombe getestet zu haben. Das sorgt für internationale Empörung - und lässt zweifeln, ob dieser Behauptung überhaupt Glauben zu schenken ist. Der UN-Sicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung ein. 

Nordkorea feiert sich für den angeblichen Test einer Wasserstoffbombe. Diese sei mit "perfektem Erfolg" erprobt worden, meldete das Staatsfernsehen am Mittwoch. Die Anrainerländer wie China, Japan und Südkorea reagierten empört und zogen in Zweifel, dass tatsächlich eine Wasserstoffbombe getestet worden sei. Bundesregierung, Europäische Union und USA riefen Nordkorea auf, sich an internationale Verpflichtungen zu halten. Der UN-Sicherheitsrat berief eine Dringlichkeitssitzung ein.

Künstliches Erdbeben registriert

Vor der überraschenden Mitteilung aus Nordkorea hatten südkoreanische Behördenvertreter ein künstliches Erdbeben nahe der nordkoreanischen Hauptanlage für Atomtests registriert. Sollte sich ein neuer Atomtest bestätigen, dürften weitere, schärfere internationale Sanktionen gegen Pjöngjang folgen. Allerdings herrschen bei der US-Regierung und Atomexperten seit langem Skepsis über vorangegangene nordkoreanische Meldungen von Tests sogenannter H-Bomben. Sie sind zwar zerstörerischer als Atombomben, jedoch viel schwieriger herzustellen.

Der südkoreanische Geheimdienst erklärte, Nordkorea habe eher eine Atombombe als eine Wasserstoffbombe getestet. Darauf deute die relativ geringe Schwäche des Erdbebens im Nordosten des Landes hin, das der Test ausgelöst habe, sagte der Abgeordnete Lee Cheol Woo. Die gemessene Stärke des Bebens von 4,8 und die davon abgeleitete Sprengkraft entsprächen nur einem Bruchteil des Ausmaßes eines erfolgreichen Tests einer Wasserstoffbombe.

Nordkorea soll bereits über eine Handvoll Rohatombomben verfügen. Seit langem bemüht sich die kommunistische Führung um ein Arsenal von Atomsprengköpfen, die auf eine Rakete mit einer Reichweite bis zum Festland der USA angebracht werden können. Der Westen befürchtet, dass Nordkorea diesem Ziel mit jedem weiteren Atomtest näherkommen könnte.

"Bedrohung für Frieden und Stabilität"

Russland erklärte, es sei nicht bestätigt, dass Nordkorea einen Atomtest ausgeführt habe. Das Außenministerium rief alle Seiten zur maximalen Zurückhaltung auf, um nicht weitere Spannungen im Nordosten Asiens auszulösen. Das Weiße Haus konnte den von Nordkorea gemeldeten Nukleartest ebenfalls zunächst nicht bestätigen. Sollte es jedoch tatsächlich einen Atomversuch gegeben haben, würde Washington dies als Verletzung der Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verurteilen, hieß es.

Auch die Bundesregierung forderte Nordkorea auf, sich entsprechend der Resolutionen des UN-Sicherheitsrates zu verhalten. "Das nordkoreanische Atomprogramm und die wiederholten Atomtests sind ernste Bedrohungen für Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Südkorea, Japan und China verurteilten den von Pjöngjang gemeldeten Atomtest aufs Schärfste. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye sagte: "Es ist nicht nur eine schwere Provokation unserer nationalen Sicherheit, sondern auch ein Akt, der unsere Leben und Zukunft gefährdet."

Enthusiastischer Jubel

China teilte mit, das Land sei "entschieden gegen" das Vorgehen Nordkoreas. Auf längere Sicht gesehen müsse Nordkorea wieder die Sechs-Nationen-Gespräche zur atomaren Abrüstung aufnehmen. Diese hatte Pjöngjang 2009 zum Stillstand gebracht. China ist der wichtigste Verbündete Nordkoreas und sein größter Handelspartner.

Im nordkoreanischen Staatsfernsehen wurde die Meldung über den Test mit einer "Miniatur"-H-Bombe mit großem Pathos vorgetragen. Der Test habe Nordkoreas "Nuklearmacht zur nächsten Ebene" getragen und eine Waffe zur Verteidigung gegen die USA und andere Feinde geboten, hieß es in den Nachrichten. Am Bahnhofsplatz in Pjöngjang konnten Menschen auf einer großen Leinwand die Verkündung des Tests verfolgen. Einige Bürger bejubelten ihn enthusiastisch. Nordkorea hatte zuletzt im Februar 2013 einen Nukleartest ausgeführt.

(jf/ap)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Nordkorea will Wasserstoffbombe getestet haben


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.