| 12.27 Uhr
Snowden über Zusammenarbeit
"NSA steckt mit Deutschen unter einer Decke"
Berühmte "Whistleblower" der jüngeren Geschichte
Berühmte "Whistleblower" der jüngeren Geschichte FOTO: dpa
Berlin. Die Abhöraktivitäten des US-Geimdienstes NSA wurden nach Angaben des IT-Spezialisten Edward Snowden auch von deutschen Behörden gedeckt. Die NSA-Leute steckten "unter einer Decke mit den Deutschen", sagte Snowden in einem per E-Mail geführten Interview.

Das Interview veröffentlichte jetzt der  "Spiegel". Der US-Chiffrier-Experte Jacob Appelbaum und die Dokumentarfilmerin Laura Poitras hatten ihre Fragen in verschlüsselten E-Mails gestellt, kurz bevor Snowden Anfang Juni als Whistleblower weltweit bekannt wurde.

Die Zusammenarbeit sei so organisiert worden, dass Behörden anderer Länder "ihr politisches Führungspersonal vor dem Backlash schützen" konnten, berichtete der frühere NSA-Mitarbeiter. "Wir warnen die anderen, wenn jemand, den wir packen wollen, einen ihrer Flughäfen benutzt – und die liefern ihn uns dann aus", schilderte er das gängige Vorgehen, wenn auf Grundlage einer Ausspähung ein Verdächtiger festgenommen werden sollte.

"Die anderen Behörden fragen uns nicht, woher wir die Hinweise haben, und wir fragen sie nach nichts." So müssten auch Politiker keine Verantwortung übernehmen, falls herauskommen sollte, wie "massiv die Privatsphäre von Menschen missachtet wird".

"Analyse-Werkzeuge" für Lauschangriff

Die NSA habe beispielsweise "Analyse-Werkzeuge" für den Lauschangriff des BND auf ausländische Datenströme geliefert, die durch Deutschland führen, berichtete das Nachrichtenmagazin vorab. Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden warf den deutschen Behörden laut "Spiegel" vor, sie seien in die Arbeit des NSA verwickelt: NSA-Leute steckten "unter einer Decke mit den Deutschen", sagte er.

Im Fokus des BND stehe unter anderem die Nahost-Strecke, über die Datenpakete etwa aus Krisenregionen verliefen, berichtete der "Spiegel". Insgesamt ziehe der BND aus fünf digitalen Knotenpunkten Informationen. BND-Chef Gerhard Schindler habe die Zusammenarbeit mit dem NSA Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums gegenüber bestätigt.

Nach "Spiegel"-Recherchen ist die Zusammenarbeit zwischen der NSA und dem Bundesnachrichtendienst (BND) intensiver als bislang bekannt. So habe die NSA die Analyse-Werkzeuge für den Lauschangriff des BND auf ausländische Datenströme geliefert, die durch Deutschland führen.

Das für Spionageabwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz untersucht derzeit, wo die NSA Zugriff auf den Internetverkehr in Deutschland nimmt. Eine erste Analyse ergab nach Angaben des Präsidenten Hans-Georg Maaßen keine Klarheit. "Wir haben bislang keine Erkenntnisse, dass Internetknotenpunkte in Deutschland durch die NSA ausspioniert wurden", sagte Maaßen dem Magazin.

Quelle: dpa/afp/das
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