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Barack Obama afp panorama 2009
  Foto: AFP, AFP
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Nordkoreas Raketentests: Obama braucht eine schnelle Antwort

VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 27.05.2009 - 18:51

Washington (RPO). Nordkorea hält die Welt in Atem. Erst der unterirdische Test einer Atombombe, dann Raketenabschüsse und jetzt die unverholene Drohung, im Falle von Sanktionen militärisch gegen seinen Nachbarn Nordkorea zu intervenieren. Der Konflikt ist die erste massive außenpolitische Belastungsprobe für US-Präsident Barack Obama. Aber was soll er tun?

In Washington fliegen wieder die Falken. "Falken", so nennen sich die Anhänger einer harten, militärisch geprägten Außenpolitik der Amerikaner. Ex-Vizepräsident Dick Cheney ist so ein Falke. Und der spöttelt neuerdings gerne über Barack Obama, nennt seine Außenpolitik der ausgestreckten Hand naiv und wirft dem Demokraten vor, Amerikas Vormachtstellung in der Welt zu riskieren.

In der Tat wirkte Obama schon einmal glücklicher. Noch Anfang April hatte er bei einem viel bejubelten Auftritt in Prag von einer sicheren und friedlichen Welt ohne Atomwaffen geträumt. Das "gefährliche Erbe" des Kalten Krieges solle in den kommenden Jahrzehnten endgültig vernichtet werden, rief Obama. Europa jubelte, Russland und China reagierten zurückhaltend – aber immerhin freundlich.

Nordkoreas jüngste Bomben- und Raketentests lassen Obama für seine Kritiker spätestens jetzt naiv erscheinen. Wie können die USA ihre Atomwaffen verschrotten, wenn gleichzeitig Diktatoren wie der vielfach als geisteskrank beschriebene Kim Jong-Il atomar aufrüsten? Zumal auch Obamas erste Reaktion auf den unterirdischen Atomtest wirkungslos blieb. Obama hatte am Montag von einem "eklatanten Bruch internationalen Rechts" gesprochen und mit massivem Druck über die Vereinten Nationen gedroht. Nordkorea reagierte einen Tag später mit Raketentests.

Obamas erster Trumpf stach also nicht. Freuen kann er sich immerhin, dass auch China und Russland die Regierung in Pjöngjang scharf verurteilen. Obama steht dennoch vor einer schwierigen Richtungsentscheidung. Soll er gegen Nordkorea mit diplomatischer Härte (notfalls militärisch) vorgehen – oder weiterhin auf blumige Rethorik und Diplomatie setzen? So wäre der kommunistische Staat beispielsweise mit diplomatischer Anerkennung oder der Wiederaufnahme in das Welternährungsprogramm zu locken.

Freundliche Diplomatie oder harte Hand: In den vergangenen Jahrzehnten scheiterten beide Strategien der Amerikaner auf ganzer Linie. US-Präsident Bill Clinton setzte auf Annäherung, unterstützte sogar Nordkoreas Bemühen um die friedliche Nutzung der Atomkraft. 1999 wurden Sanktionsn gelockert, Nordkorea versprach die Tests einzustellen. Clintons Nachfolger George W. Bush hingegen verortete das asiatische Land kurzerhand auf der Achse des Bösen – auf einer Linie mit dem Iran oder den Taliban in Afghanistan.

Genutzt haben beide Strategien: nichts. Nordkorea und Kim Jong-Il bleiben unberechenbar und potentiell gefährlich. Zusätzliche Sorge bereitet die offenbare Bereitschaft des Landes, funktionierende Atomwaffen weiterzuverkaufen – beispielsweise an Rebellen oder Diktatoren in Asien und Afrika. Obama steht unter Zeitdruck. Monate, vielleicht Wochen können entscheidend sein.

In amerikanischen Medien wird bereits lautstark über mögliche Antworten der USA diskutiert. Auch Militärschläge gegen Atomanlagen in Nordkorea werden dabei genannt. Davon wird Obama wahrscheinlich nichts wissen wollen. Eine Strategie braucht er dennoch. Viel Zeit hat er nicht.


 
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