Medienkrieg in den USA: Obama kämpft an der Heulsusen-Front
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 21.10.2009 - 17:55Düsseldorf (RPO). Als hätte US-Präsident Barack Obama noch nicht genug Probleme am Hals. Jetzt hat sich das Weiße Haus auch noch einen Kulturkampf aufgehalst. Zwischen der PR-Abteilung in Washington und dem rechtslastigen TV-Sender Fox News tobt ein erbitterter, stellenweise bösartig geführter Kleinkrieg. Auch Obama wirkt zunehmend unsouverän.
Zunächst war der Konflikt eher einseitiger Natur. Der zum Medienhaus des australischen Moguls Rupert Murdoch gehörende TV-Sender hatte Obama schon im Wahlkampf als Lieblingsfeind auserkoren. Der Shooting-Star wurde als unzuverlässiger Spinner charakterisiert. Obama war das egal. Der aber schwamm derzeit auf einer Welle der Euphorie und ignorierte die Attacken mit Großmut. Einmal gab er Fox News sogar noch überraschend ein Interview und ließ den rechten Sender damit ziemlich alt aussehen.
Das aber änderte sich spätestens im September grundlegend. Obama hatte sich dazu entschlossen, mit zahlreichen Auftritten in der Fernsehlandschaft die Werbetrommel für seine Reformen zu rühren. CNN, ABC, NBC, CNN, sogar das spanischsprachige Univison wurde mit einem Besuch bedacht. Nur nicht der erfolgreichste Kabelsender des Landes: Fox News.
Zu lange, zu polemisch und oft auch ungerecht hatte der Bush-treue Sender Obamas Politik immer wieder an den Pranger gestellt. Obama sei eine Gefahr für Amerika hieß es da. Einsamer Höhepunkt: Star-Moderator Glenn Beck bezeichnete Obama im Sommer als "Rassisten", der alles hasse, was weiß ist.
Doch hat es Obama offensichtlich wenig geholfen, bei seiner Kampagne seine schärfsten Kritiker zu ignorieren. Eher nahm sein Image Schaden an. Fox News machte sich einen Spaß daraus, den US-Präsidenten und seine Entourage als empfindlich-beleidigte Leberwurst darzustellen. Der altgediente Moderator Chris Wallace lästerte, er sei in 30 Berufsjahren noch nicht einmal einem solchen Haufen von Heulsusen begegnet. Ständig würden sie jammern und sich beschweren.
Mitte der vergangenen Woche eskalierte die Situation endgültig. Anita Dunn, Presse-Chefin des Weißen Hauses nahm den Fehdehandschuh auf und ließ Fox News über die New York Times ausrichten: "Wir werden sie wie einen Gegner behandeln“. Da der Sender offensichtlich Krieg gegen Obama führe, sehe man sich nicht mehr veranlasst, ihn wie einen Nachrichtensender zu behandeln.
Später legten weitere Getreue Obamas nach. Stabschef Rahm Emanuel sprach dem Murdoch-Sender die Legitimation ab, Berater David Axelrod rief zu einer Kampagne gegen den Sender auf. Tenor der Stimmen aus dem Weißen Haus: Fox News ist nicht mehr als ein parteipolitisches Sprachrohr der Republikaner.
Fox News trägt die Eskalation mit Fassung und freut sich über rasant steigende Quoten. Jüngst war zu sehen, wie ein Moderator mit Spielzeug-Panzer und Plastik-Hubschrauber zur Verteidigung gegen Obama ins Gefecht zog. In der New York Times macht man sich derweil Sorgen, ob Obamas Pressespezialisten ihre Ressourcen an der richtigen Stelle investieren. Die Geschichte von Administrationen, die erfolgreich gegen Medien gekämpft haben, sei kürzer als dieser Satz.
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