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Barack Obama
  Foto: AP, AP
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Neuer Plan für Afghanistan: Obama setzt auf die Bush-Strategie

VON TIM NOCKEN - zuletzt aktualisiert: 02.12.2009 - 14:45

Washington (RPO). Barack Obama hat Amerika und dem Rest der Welt seine neue Afghanistan-Strategie präsentiert: Schon in 18 Monaten könnten die ersten Soldaten wieder zurückkehren. Zunächst will der Friedensnobelpreisträger aber 30.000 weitere US-Soldaten in den Krieg schicken. Vom Ablauf bis zu den Zielen ist Obamas neue Strategie der seines Vorgängers George W. Bushs bemerkenswert ähnlich.

Amerika ist zunehmend kriegsmüde. Deswegen hat US-Präsident seinem Land den Beginn des Truppenabzugs aus Afghanistan in Aussicht gestellt. Schon in 18 Monaten könnten die ersten Soldaten wieder zurückkehren, kündigte Obama in seiner mit Spannung erwarteten Rede zur neuen Afghanistan-Strategie an.

Schwieriges Erbe für den Nobelpreisträger

Zunächst sollen aber bis zum kommenden Sommer 30.000 weitere Soldaten an den Hindukusch verlegt werden, die ersten noch bis Ende des Jahres. Damit tritt ausgerechnet der Friedensnobelpreisträger Obama endgültig das Erbe seines Vorgängers George W. Bush an, der den Krieg in Afghanisten begonnen hatte. Bereits im Frühjahr hatte Obama 33.000 Soldaten dorthin beordert. Damit gehen inzwischen zwei Drittel der bald 100.000 US-Soldaten am Hindukusch auf sein Konto.

"Ich treffe diese Entscheidung, weil ich überzeugt bin, dass unsere Sicherheit in Afghanistan und Pakistan auf dem Spiel steht. Dort ist das Epizentrum des von Al-Kaida praktizierten gewaltsamen Extremismus", sagte Obama vor den Kadetten von West Point, der Elite-Akademie des US-Militärs.

Verblüffende Ähnlichkeit mit George W. Bush

Vom Ablauf bis zu den Zielen ist Obamas neue Strategie der Bushs bemerkenswert ähnlich. Damals im Irak wie heute in Afghanistan ist der Krieg länger, teurer und unpopulärer geworden, als die US-Regierung sich das vorgestellt hatte. Nach den Anschlägen in den USA 2001 wurde das Taliban-Regime am Hindukusch zwar rasch gestürzt, aber Al-Kaida-Terroristen und Taliban-Extremisten organisieren sich im benachbarten Pakistan schon bald wieder neu.

Damals im Irak wie heute in Afghanistan beherrscht die Gewalt das Land, Aufständische gewinnen an Einfluss und die Politiker sind nicht fähig oder willens, die Regierungsgewalt auszuüben. Ein Großteil der Bevölkerung steht den US-Soldaten mit Argwohn gegenüber. Mancher kooperiert aus Angst mit den Extremisten, mancher des Geldes wegen. Obamas Ziel ist es, Terroristen daran zu hindern, neue Anschläge auszuhecken, und zugleich Afghanistan so weit in die Spur zu setzen, dass es sich selbst regieren und selbst für seine Sicherheit sorgen kann.

Westliche Geheimdienste zweifeln allerdings an Obamas neuer Afghanistan-Strategie.  Mit seiner offenen Zusage, erste Soldaten schon 2011 vom Hindukusch abzuziehen, habe Obama den Taliban "schon eine terminierte Hoffnung auf einen generellen Abzug der internationalen Truppen eröffnet", erklärten am Mittwoch übereinstimmend Angehörige mehrerer Nachrichtendienste in Kabul.

Geheimdienste: "Rechnung ohne den Wirt gemacht"

Obama habe aber die "Rechnung ohne den Wirt gemacht", hieß es. Die Taliban würden "in Ruhe" die Truppenaufstockungen "über sich ergehen lassen und auf nichts mehr eingehen, bis der Westen letztlich unverrichteter Dinge abziehen muss", sagte ein CIA-Mann der Nachrichtenagentur DDP.

Die Geheimdienstler zweifeln auch daran, ob es angesichts der korrupten Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai gelingt, die für eine "Zukunftsperspektive Afghanistans geordneten Verhältnisse herzustellen". Zwar haben alle westlichen Regierungen Karsai nach seiner manipulierten Wiederwahl ermahnt, endlich für korrekte politische, wirtschaftliche und für die Sicherheit stabile Verhältnisse in Afghanistan zu sorgen. Aber die Bemühungen des Westens beispielsweise zum Aufbau einer gut funktionierenden afghanischen Armee und Polizei "sehen nach wie vor düster aus", meinte ein Geheimdienstexperte.

Abzugstermin nur ungenau formuliert

Er verwies auf eine Aussage des früheren Vizepräsidenten Dick Cheney, der Obamas Exit-Strategie als "vernichtend" bezeichnet hatte. Obama habe den Taliban, die bereits große Teile Afghanistans beherrschen, damit "Schwäche signalisiert". Viele Afghanen würden wahrscheinlich zu den Taliban überlaufen, "weil sie annähmen, die Amerikaner ziehen ab, während die Bösen bleiben".

Solches Sträuben gegen einen genauen Zeitplan hält Obama für unlogisch. "Gäbe es keinen Zeitrahmen für den Übergang, würde uns das Gespür für die Dringlichkeit in der Arbeit mit der afghanischen Regierung fehlen", meinte er. "Amerika hat kein Interesse daran, in Afghanistan einen endlosen Krieg zu führen." Sein Ziel sei es, "diesen Krieg erfolgreich zu beenden".

Um seinen Kritikern dennoch den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat Obama bei seiner Rede West Point den Abzugstermin nur ungenau formuliert. Wann die Soldaten letztendlich abgezogen werden könnten, hänge letztendlich von der Entwicklung in Afghanistan ab, betonter der US-Präsident. Somit stellte er ein Ende des Afghanistan-Krieges zwar in Aussicht, festlegen lassen will er sich aber nicht.

Mit Agenturmaterial.

Quelle: tim

 
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