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Präsidentschaftswahlen in den USA: Obama siegt deutlich

zuletzt aktualisiert: 05.11.2008 - 07:15

Washington (RPO). Barack Obama zieht als 44. Präsident der USA ins Weiße Haus ein. Der Demokrat schlug seinen republikanischen Widersacher John McCain deutlich und holte nach derzeitigem Stand 338 Wahlmännerstimmen. 270 sind notwendig. In Chicago zeigte er sich bereits vor mehr als 100.000 Anhängern. "Der Wechsel ist in Amerika angekommen", rief er den Menschen zu. Auch im Kongress verfügen die Demokraten jetzt über eine Mehrheit.

Der zukünftige Präsident begann seinne emotionale Rede mit den Worten: "Für alle, die immer noch daran zweifeln, dass in Amerika alles möglich ist - hier ist eure Antwort." Daraufhin brach die Menge in stürmischen Jubel aus. "Das ist euer Sieg", fügte Obama hinzu.

Auch seiner am Sonntag verstorbenen Großmutter Madelyn Dunham widmete der 47-Jährige einige bewegende Worte. "Ich weiß, sie schaut mir zu. Ich habe ihr so viel zu verdanken", erklärte der Senator.

Die Zeit seiner Präsidentschaft beginne mit riesigen Herausforderungen, sagte Obama auf seiner Wahlparty im Grant Park. Er nannte "zwei Kriege, ein Planet in höchster Gefahr, die schwerste Finanzkrise in einem Jahrhundert". Ein sichtlich erschöpfter Obama würdigte in seiner Ansprache auch den unterliegenden McCain. Jetzt sei es an der Zeit, mit allen Kräften zusammen für Amerika zu arbeiten. Er wolle auch Präsident derjenigen Amerikaner sein, die ihn nicht gewählt hätten. Die Ansprache wurde immer wieder von "Yes, we can"-Rufen unterbrochen.

Der republikanische Kandidat John McCain hatte seinem Gegner zuvor zum Wahlsieg gratuliert. "Das amerikanische Volk hat gesprochen", sagte der 72-Jährige vor enttäuschten Anhängern in Arizona. Er hätte sich ein anderes Ergebnis gewünscht, sagte McCain.

Obama gewann in mindestens 27 US-Staaten und sammelte so 338 Wahlmännerstimmen - für den Sieg war eine Mehrheit von 270 der 538 Stimmen erforderlich. McCain konnte Obama in mindestens 18 Staaten bezwingen, was mit 140 Wahlmännerstimmen aber für den von ihm erhofften Umschwung in letzter Minute nicht ausreichte. Knapper fiel das landesweite Stimmenverhältnis aus - hier erreichte Obama einen Anteil von 51 Prozent, McCain folgte mit 48 Prozent dicht dahinter.

Entscheidend waren Florida, Ohio und Pennsylvania

Entscheidend für den Wahlerfolg waren Siege Obamas in in den wichtigen Staaten Florida, Ohio, Pennsylvania und Virginia. Der Kandidat der Demokraten sicherte sich zunächst die erwarteten Siege im Nordosten, einer traditionell liberalen Region, und im Mittleren Westen der USA. Der Senator von Illinois gewann in seinem Heimatstaat und war auch im heftig umkämpften Pennsylvania erfolgreich.

Dort hatte McCain einen besonders intensiven Wahlkampf geführt, um die erwarteten Verluste in anderen Staaten auszugleichen. Obama siegte auch in Ohio und Iowa, wo vor vier Jahren noch der Republikaner George W. Bush die Wahlmännersteimmen holte. Bislang konnte noch nie ein Republikaner ohne einen Sieg in Ohio die Präsidentschaftswahl gewinnen.

McCain war vor allem im konservativen Süden der USA erfolgreich. Er gewann wie erwartet in Staaten wie Utah, Arkansas, Kansas, Kentucky und Tennessee.

Republikaner büßen Mandate ein

Die Demokratische Partei gewann ebenfalls die absolute Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus. Bei der Wahl von 35 der 100 Sitze im Senat gelang es demokratischen Kandidaten, entscheidende Mandate zu erobern, die bisher von den Republikanern gehalten wurden. Zu den Siegern der Senatswahl gehört auch der designierte Vizepräsident Biden, der in Delaware für eine siebte Amtszeit wiedergewählt wurde.

Im bisherigen Senat hatten Demokraten und Republikaner jeweils 49 Sitze. Zwei Mandate wurden von parteilosen Politikern gehalten, die bei Abstimmungen meist auf Seiten der Demokraten waren. Im Repräsentantenhaus konnten die Demokraten ihre bisherige Mehrheit weiter ausbauen. Mehrere republikanische Abgeordnete verloren ihre Mandate, etwa in Florida. In Connecticut büßten die Republikaner ihren letzten Sitz in einem Neuenglandstaat ein.

Auch bei den Gouverneurswahl gewannen die Demokraten einen weiteren Posten hinzu. Sie verdrängten in Missouri die Republikaner von der Regierung. Damit werden jetzt 29 Staaten von demokratischen Politikern geführt und 21 von Republikaner.

Vermutlich Rekord bei Wahlbeteiligung

Vermutlich haben noch nie so viele Amerikaner an einer Präsidentschaftswahl teilgenommen wie diesmal. Allein in Virginia schätzten die Behörden die Wahlbeteiligung am Dienstag auf 75 Prozent. Von den 213 Millionen Wahlberechtigten haben sich 187 Millionen für die Wahl registrieren lassen. Von ihnen machten rund 40 Millionen von der Möglichkeit der vorzeitigen Stimmabgabe Gebrauch. Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2004 betrug die Beteiligung 60,7 Prozent - das war der höchste Wert seit 1968.

Merkel gratuliert

Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit Obama. In einem Schreiben gratulierte sie ihm am Mittwochmorgen zu seinem "historischen Sieg" bei der Präsidentschaftswahl und lud ihn zu einem Besuch nach Deutschland ein.

"Die Welt steht zu Beginn Ihrer Amtszeit vor bedeutenden Herausforderungen", schrieb Merkel. "Ich bin überzeugt, dass wir in enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Europa den neuartigen Gefahren und Risiken entschlossen begegnen und die vielfältigen Chancen, die sich in unserer globalen Welt eröffnen, gut nutzen werden." Die Bundesregierung sei sich der Bedeutung und des Wertes der transatlantischen Partnerschaft für eine gemeinsame Zukunft bewusst.

Eid am 20. Januar

Zusammen mit dem designierten Vizepräsidenten Joe Biden wird Obama am 20. Januar 2009 in Washington den Amtseid ablegen. Dann endet auch die achtjährige Regierungszeit des Republikaners George W. Bush.

Quelle: ap

 
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