Bolivien: Ölreiche Region stimmt für mehr Unabhängigkeit
zuletzt aktualisiert: 05.05.2008 - 07:26Santa Cruz (RPO). Die Einwohner der rohstoffreichen bolivianischen Region Santa Cruz haben sich für mehr Autonomie von der sozialistischen Zentralregierung ausgesprochen. Mehr als 85 Prozent der Wähler stimmten in einem Referendum dafür, dass die Region eine Streitkräfte bekommt und finanziell weitgehend unabhängig sein soll.
Präsident Evo Morales hatte die Abstimmung im Vorfeld als illegal bezeichnet. Bei Gewalt zwischen Gegnern und Unterstützern des Referendums gab es laut Krankenhaus- und Regierungsangaben einen Toten und rund 20 Verletzte.
Das Referendum war eine Reaktion auf einen gescheiterten Verfassungsentwurf von Morales, der den Ureinwohnern mehr Autonomie zugestehen und dem Präsidenten mehr Vollmachten einräumen sollte. Die von Großgrundbesitzern dominierte Region Santa Cruz wehrt sich hingegen gegen den zunehmenden Zugriff der Zentrale auf seine Wirtschaft. Die ostbolivianische Region verfügt über die größten Gasvorräte des Landes und gilt als Wirtschaftsmotor Boliviens, dem ärmsten Land in Südamerika.
Bei Zusammenstößen zwischen Gegnern und Unterstützern des umstrittenen Referendums hätten im Osten des Landes mindestens 20 Menschen Verletzungen erlitten, sagte der Stabschef der Regierung, Alfredo Rada, in La Paz. Nach Krankenhausangaben wurde eines der Opfer durch eine Sprengstoffexplosion verletzt. Die meisten anderen Opfer litten unter Blutergüssen. Ein älterer Mann starb laut Krankenhausangaben, nachdem die Polizei Tränengas eingesetzt hatte.
Wie Präsident Morales lehnten auch die Ureinwohner - eine Minderheit in Santa Cruz - das Referendum ab. Einwohner einer Armensiedlung versuchten laut Berichten eines AFP-Fotografen kurz nach Beginn der Abstimmung, gewaltsam ihr Wahllokal zu stürmen. Sie bewarfen die Wahlhelfer mit Steinen, es kam zu heftigen Schlägereien. In Santa Juliana, 140 Kilometer weiter nördlich, zerstörten wütende Ureinwohner ein Freiluft-Wahllokal und trieben die Wahlhelfer in die Flucht.
Mit dem Referendum vertieft sich die Spaltung Boliviens in arme und reiche Regionen. Santa Cruz' Gouverneur Rubén Costas hatte die Abstimmung zur Geburtsstunde einer "zweiten Republik" erklärt. Der Führer der Ureinwohner-Organisation Rote Ponchos, Eugenio Rojas, warnte, das Referendum werde "den Beginn einer großen Revolution der Armen" einläuten. Im kommenden Monat wollen die drei wohlhabenden Provinzen Tarija, Beni und Pando ebenfalls über ihre Autonomie abstimmen.
Morales, der erste lateinamerikanische Präsident indianischer Abstammung, war mit dem Versprechen angetreten, die Ressourcen des Landes zwischen den reichen Provinzen in der Ebene und den armen von Ureinwohnern bewohnten Anden-Gebieten gerechter zu verteilen.
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