Rebellen bitten Westen um Vermittlung: Offenbar mehr als 60 Zivilisten in Sri Lanka getötet
zuletzt aktualisiert: 03.05.2009 - 09:45Colombo (RPO). Im umkämpften Rebellengebiet im Norden Sri Lankas sind offenbar mehr als 60 Zivilisten bei einem Angriff auf ein Krankenhaus ums Leben gekommen. Nach Angaben der Tamilenrebellen beschossen Regierungstruppen die Klinik am Samstag mit Granaten, die Armee machte dagegen die Rebellen verantwortlich. Die Rebellen riefen Großbritannien und Frankreich am Sonntag auf, eine Waffenruhe in dem Konflikt zu vermitteln.
Die Regierungstruppen hätten Samstag zwei Granaten auf eine Klinik in Mulliavaikal abgefeuert, berichtete die den Rebellen nahestehende Internetseite Tamilnet.com. Dabei seien 64 Zivilisten getötet und 87 weitere verletzt worden. Das Krankenhaus ist dem Bericht zufolge die einzige noch verbliebene medizinische Einrichtung im Rebellengebiet im Nordosten des Landes.
Das srilankische Militär teilte dagegen mit, ihre Einheiten hätten die Zone um das Krankenhaus nicht beschossen. Allerdings habe es dort Explosionen gegeben, sagte ein Sprecher. Es sei möglich, dass es sich dabei um Fehlzündungen von Seiten der Tamilenrebellen gehandelt habe. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK), das als einzige unabhängige Organisation beschränkt über Zugang zum Rebellengebiet verfügt, machte zunächst keine Angaben zu dem Vorfall.
Die Regierung des Inselstaats wies auch Berichte zurück, wonach die Truppen des Landes zwischen Februar und April eine für Zivilisten eingerichtete Sicherheitszone im Nordosten des Landes beschossen haben sollen. Anlass für die Berichte waren Luftaufnahmen, die das UN-Satellitenprogramm UNOSAT auf seiner Internetseite veröffentlicht hatte. Sie zeigen tiefe Krater in einer Sicherheitszone. Die Aufnahmen seien "wissenschaftlich wertlos", erklärte das Verteidigungsministerium in Colombo.
Die Tamilenrebellen baten unterdessen Großbritannien und Frankreich um einen erneuten Vermittlungsversuch für eine Waffenruhe. "Wir sind bereit, in Verhandlungen über eine dauerhafte Lösung des Konflikts einzutreten", schrieben die Rebellen in einem offenen Brief an die Außenminister der beiden EU-Staaten. Der französische Außenminister Bernard Kouchner und sein britischer Kollege David Miliband hatten Sri Lanka in der vergangenen Woche besucht, waren mit ihren Bemühungen um eine Waffenruhe aber gescheitert. Der srilankische Präsident Mahinda Rajapakse lehnte eine Feuerpause ab.
In dem Küstenstreifen, der den Rebellen nach einer monatelangen Offensive der Regierungstruppen als letzter Zufluchtsort dient, sind laut UNO bis zu 50.000 Zivilisten eingeschlossen. Der japanische Sondergesandte für Sri Lanka, Yasushi Akashi, forderte die Rebellen am Sonntag zum Abschluss seiner dreitägigen Reise in dem Land auf, den Zivilisten die Ausreise aus dem Gebiet zu ermöglichen. Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit Anfang der 70er Jahre für einen unabhängigen Tamilenstaat.
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