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Allierte Großoffensive in Afghanistan
Offenbar wenig Widerstand von Taliban
Kabul (RPO). Die US-geführten Truppen sind bei ihrer Großoffensive gegen die radikalislamischen Taliban in Südafghanistan nach eigenen Angaben zunächst auf geringen Widerstand gestoßen. Beim Vormarsch in der Unruheprovinz Helmand starben zwei Nato-Soldaten und 27 Aufständische, wie Militärvertreter am Sonntag mitteilten. Es ist die größte Offensive seit dem Sturz des Taliban-Regimes vor neun Jahren.

Um den unruhigen Süden Afghanistans wieder unter die Kontrolle der Regierung in Kabul zu bringen, rückten im Zuge der Militäraktion "Muschtarak" (Gemeinsam) 15.000 afghanische, amerikanische und britische Soldaten in der Region Mardscha, einem der größten Opium-Anbaugebiete der Welt, vor. Kampfhubschrauber setzten in der Nacht zum Samstag die ersten Verbände ab. Diese trafen nach US-Angaben auf "minimale Gegenwehr". Der britische Armeesprecher Gordon Messenger sprach von "sporadischen Zusammenstößen".

Minen und Heckenschützen

US-Kommandeur Larry Nicholson sagte einem AFP-Fotografen vor Ort jedoch, die Soldaten würden immer wieder von Heckenschützen ins Visier genommen. Auch dass die Einheiten nur langsam im Gefolge von Minenräumfahrzeugen vorrücken könnten, verzögere den Vormarsch. Die gesamte Region gilt als vermint und deshalb sehr gefährlich, wie der afghanische Verteidigungsminister Abdul Raheem Wardak warnte.

Einer der beiden getöteten westlichen Soldaten, ein Brite, starb nach Angaben der internationalen ISAF-Truppe durch eine Mine in der Ortschaft Nad Ali. In der Stadt Mardscha wurde ein US-Soldat offenbar von Heckenschützen erschossen.

Der afghanische Kommandeur Sher Mohammed Sasai nannte am Sonntag die Zahl von 27 getöteten Aufständischen. Laut einen BBC-Bericht sollen darunter sieben ausländische Kämpfer sein, was die Vermutung einer engen Verbindung der Taliban zum Terrornetzwerk Al Qaida bestätigen würde. Zivile Opfer soll es zunächst nicht gegeben haben. Die Regionalregierung erklärte, in Mardscha sei eine Frau verletzt worden. Der Schutz von Zivilisten sollte diesmal Vorrang haben.

ISAF zufrieden über Fortschritte

Sowohl die internationale als auch afghanische Militärvertreter äußerten sich zufrieden über den Beginn des Einsatzes, der als große Bewährungsprobe für die neue Afghanistanstrategie von US-Präsident Barack Obama gilt. In London sagte Armeesprecher Messenger, die USA teilten diese positive Einschätzung. Helmands Gouverneur Mohammad Gulab Mangal erklärte sogar, der militärische Widerstand sei gebrochen und die meisten Gebiete unter Kontrolle.

Ein Taliban-Vertreter wies dies als "westliche Propaganda" zurück. Der Westen versuche mit der kurzfristigen Einnahme einer kleinen Stadt das verlorengegangene Prestige des "erfolglosen US-Generals Stanley McChrystal" zurückzugewinnen, hieß es in einer per Email versandten Erklärung des Taliban-Kommandeurs Mullah Abdul Resak Achund.

Der Bezirk Mardscha in der Provinz Helmand ist eines der größten Opium-Anbaugebiete der Welt. Jahrelang war er unter der Kontrolle von Taliban und Drogenhändlern, die dort gemeinsame Sache machten - Opium gehört zu den Haupteinnahmequellen der Aufständischen.

Dem Vernehmen nach sollen nach der Großoffensive bis zu tausend afghanische Polizisten in die Region kommen und helfen, Schulen, Krankenhäuser und ein Rechtssystem aufzubauen. Die Bauern sollen dabei unterstützt werden, den Anbau von Opium auf Feldfrüchte umzustellen.

Quelle: AFP/felt
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