| 13.03 Uhr

Offener Brief
Donald, denk doch mal nach!

Offener Brief an Donald Trump
Donald Trump – eher so der sachliche Typ. FOTO: afp, jm
Düsseldorf. Donald Trump hat die deutsche Einwanderungspolitik als Desaster bezeichnet. Unser Autor schreibt ihm deshalb einen Brief – und gibt Trump in einem Punkt Recht. Von Sebastian Dalkowski

Lieber Donald,

sich um andere zu sorgen, macht uns zu Menschen. Deshalb war ich zunächst gerührt, als ich erfuhr: Du, der große Donald Trump, machst dir Sorgen um Deutschland, um mein kleines Deutschland. Dass ein amerikanischer Präsidentschaftskandidat über den Tellerrand hinausblickt, über die Grenzen seines unendlich großen Landes hinaus, dafür bin ich dir grundsätzlich dankbar. Du hast gesagt, Hillary Clinton wolle die Angela Merkel Amerikas werden. Und hast hinzugefügt: Und ihr wisst, was für ein Desaster die massive Einwanderung für Deutschland und seine Bürger war. Verbrechen hätten in Deutschland ein Level erreicht, von dem niemand gedacht habe, dass es je erreicht werde.

Nun, da ich meine Dankbarkeit geäußert habe für deine grundsätzliche Bereitschaft, die Existenz meines kleinen Landes durch deine Sorgen anzuerkennen, gestatte mir noch zwei drei weitere Worte. Ich bin das, was deine deutschen Brüder und Schwestern im Geiste "linksgrün versifft" nennen, in dem Sinne, dass ich Menschen nichts Schlechtes unterstelle, so lange sie nichts Schlechtes getan haben. Trotzdem will ich dir keine Märchen erzählen. Es ist nicht so, dass in Deutschland nun Milch und Honig fließen. Es ist nicht so, dass die Flüchtlinge gleich am Tag nach ihrer Ankunft als Raketentechniker anfangen und in ein Häuschen in der Neubausiedlung ziehen. Das ist aber keine Bedingung, um Asyl zu bekommen. Es ist auch nicht so, dass alle ein Weltbild haben, das mit den Werten unseres Grundgesetzes vereinbar ist. Es ist auch nicht so, dass keiner dieser Flüchtlinge kriminell ist. Es sind schlimme Dinge in Köln passiert.

Trotzdem sage ich dir Donald, du hast ein fundamentales Problem mit deinen Augen. Da du nur schwarz und weiß sehen kannst – ist es eine Erbkrankheit? – machst du dir die Welt auch schwarz und weiß. Du siehst keine Grautöne, du siehst keine Farben. Du siehst nur gut und böse, richtig und falsch. Lass mich deinen Intellekt so beschreiben: Obwohl ich dir auf Deutsch schreibe, wirst du von diesem Brief mehr verstehen, als du von der Welt verstehst. Und von den Menschen, die in ihr leben. Und den Problemen, die sie haben. Und den Lösungen, die es für diese Probleme gibt.

Kriminell werden Menschen nicht, weil sie Flüchtlinge sind oder Moslems, sondern weil sie Menschen sind. Selbstverständlich steigt die Zahl der Straftaten, wenn mehr Menschen in einem Land wohnen, aber nach allen Untersuchungen, die ich kenne, hat die Kriminalitätsrate nicht zugenommen. Dass viele Leute in unserem Land das anders sehen, hat eventuell damit zu tun, dass die Berichterstattung zugenommen hat. So wie sie denken, Busfahren sei gefährlicher geworden, wenn es ein schweres Busunglück gegeben hat. Die blutigste Gewalttat in Deutschland hat in diesem Jahr kein Flüchtling verübt, sondern ein deutscher Teenager aus München mit iranischen Eltern.

Jedenfalls, auch wenn die Immigration Herausforderungen, nein sagen wir ruhig Probleme bringt, so hat sie doch zu keinem Desaster geführt. Deutschland ist nach wie vor ein vergleichsweise sicheres Land. Bitte sieh dir die Mordrate in deinem Land an. Hier muss grundsätzlich niemand Angst haben, von seinem Nachbarn erschossen zu werden, weil er ihn für einen Einbrecher hält, oder auch nur, weil ihm seine Hautfarbe nicht passt. Wir sind auch kein Land, das vom Terror erschüttert wird. Es hat diesen Anschlag in Ansbach gegeben, es hat den Idioten mit der Axt in Würzburg gegeben, aber Frankreich – das ist das Land neben uns – leidet deutlich stärker unter islamistischem Terrorismus. Obwohl es deutlich weniger Flüchtlinge aufnimmt. Kann es vielleicht daran liegen, dass Deutschland einen relativ guten Job macht, wenn es um Integration geht? Also jetzt nicht herausragend, aber zumindest so, dass nur die täglich um ihr Leben fürchten, die paranoid sind, und dass unser Alltag, so im Groben, läuft wie vor der Flüchtlingskrise?

Mit einem aber hast du Recht. Du hast in deiner Rede auch gesagt, dass Ihr genug Probleme in Eurem Land habt. Ihr bräuchtet nicht noch eines. Genau deshalb werden dich die amerikanischen Bürger im November nicht zum Präsidenten wählen.

Herzlich
Dein Sebastian

Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Offener Brief an Donald Trump


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.