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Krieg in Syrien
Untersuchung bestätigt Einsatz von Sarin bei Giftgas-Angriff

OPCW-Bericht: Bei Angriff im April in Syrien wurde Sarin eingesetzt
Freiwillige Helfer versorgen Opfer eines Giftgasangriffs in Syrien (Archiv). FOTO: dpa
Den Haag. Die schrecklichen Bilder erstickender Kinder erschütterten die Welt: Nun ist klar, welcher Kampfstoff bei dem Giftgas-Angriff auf das syrische Chan Scheichun eingesetzt wurde. Aber wer für die Attacke verantwortlich ist – darüber wird weiter gestritten.

Bei dem Giftgasangriff auf die syrische Stadt Chan Scheichun Anfang April ist wie vermutet der chemische Kampfstoff Sarin eingesetzt worden. Das ergab eine Untersuchung der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), deren Ergebnisse am Freitag bekanntgegeben wurden. OPCW-Generaldirektor Ahmet Üzümcü forderte, dass die Verantwortlichen für das Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden müssten. Darüber, welche Kriegspartei das war, wurde weiter gestritten.

In dem Bericht der OPCW gab es keine Schuldzuweisung. Die Erkenntnisse daraus sollen nun bei einer gemeinsamen Untersuchung von Teams von UN-Behörden und der OPCW verwendet werden, um die Verantwortlichen zu ermitteln. Westliche Staaten machten nach der Attacke die syrische Regierung von Präsident Baschar al-Assad für den Giftgaseinsatz verantwortlich. Bei dem Angriff auf Chan Scheichun in der syrischen Provinz Idlib waren am 4. April mehr als 90 Menschen getötet worden, darunter Kinder und Frauen.

Russland äußert Zweifel

Die Assad-Führung bestreitet, dafür verantwortlich zu sein, und auch der Verbündete Russland stellte sich hinter die Regierung. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte am Freitag, die Anschuldigungen des Westens seien durch den OPCW-Bericht nicht bestätigt. Es gehe daraus nicht sicher hervor, dass Flugzeuge der Regierung das Giftgas abgeworfen hätten. "Sie wissen nicht, wie das Sarin dort hinkam, dennoch sind die Spannungen in all diesen Monaten eskaliert", sagte Lawrow.

Die Ermittler des OPCW waren aus Sicherheitsgründen nicht nach Chan Scheichun gereist, was das russische Außenministerium und ein syrischer Politiker zum Anlass nahmen, den Bericht in Zweifel zu ziehen. Vom russischen Außenministerium hieß es, der Bericht basiere auf fragwürdigen Daten von der syrischen Opposition. Zudem sei er auf politische Anordnung hin erstellt worden und habe Schuldzuweisungen an die syrische Regierung zum Ziel. Der syrische Politiker Mohammad Kheir Akkam nannte den Bericht Teil einer Kampagne zur politischen Ausbeutung seines Landes.

USA fühlen sich bestätigt

Das US-Militär hatte als Reaktion auf die Attacke im April einen syrischen Militärstützpunkt mit Marschflugkörpern angegriffen und zuletzt mit weiteren Angriffen gedroht, sollte die Regierung wieder chemische Kampfstoffe einsetzen. In einer Reaktion auf den Bericht aus dem US-Außenministerium hieß es: "Die Fakten spiegeln eine verachtenswerte und höchst gefährliche Bilanz von Chemiewaffeneinsätzen des Assad-Regimes wider".

Der britische Außenminister Boris Johnson erklärte, in dem Bericht sei zwar kein Schuldiger benannt worden. "Es ist aber die Einschätzung Großbritanniens, dass das Assad-Regime fast sicher diese abscheuliche Attacke ausgeführt hat."

Proben untersucht

Die Ermittler hatten für den Bericht Proben von Überlebenden und Opfern des Angriffs untersucht und mit Augenzeugen gesprochen. In einer Erklärung verteidigte die OPCW ihre "gründliche Methodik". Ein Teil der untersuchten Proben sei auch von der Regierung zur Verfügung gestellt worden, hieß es.

Die syrische Regierung war bereits 2013 für einen schweren Giftgasangriff in einem Vorort von Damaskus verantwortlich gemacht worden. Die USA waren daraufhin kurz davor, Syrien militärisch anzugreifen, stattdessen verständigten sie sich aber mit Russland auf eine Zerstörung des syrischen Chemiewaffenarsenals. Syrien trat daraufhin der OPCW bei und deklarierte rund 1300 Tonnen an Chemiewaffen oder Chemikalien, die zur Herstellung genutzt werden können, und übergab sie der OPCW zur Vernichtung. Allerdings gab es immer wieder Zweifel, ob die Regierung auch tatsächlich alle ihre Bestände angegeben hatte.

(wer/ap/dpa)
 
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