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Mini-Republik Liberland
Operettenstaat am Donaustrand

Mini-Republik Liberland: Operettenstaat am Donaustrand
Vit Jedlicka hat zwischen Serbien und Kroatien die Mini-Republik Liberland ausgerufen. FOTO: dpa, axs
Zmajevac. Ein 31-jähriger Tscheche hat zwischen Serbien und Kroatien die Mini-Republik Liberland ausgerufen. Das Ganze soll aber mehr sein als ein schlechter Witz. Von Rudolf Gruber

Vit Jedlicka, ein 31-jähriger Politiker, Publizist und Finanzanalyst aus Tschechien, ist mit historischem Hintergrund reichlich gesegnet: Er stammt aus Hradec Kralove, dem früheren Königgrätz, Schauplatz der Schlacht am Fuß des Riesengebirges, die Österreich 1866 gegen die Preußen verlor. Jetzt will Jedlicka selbst Geschichte schreiben - ausgerechnet in einer Gegend, in der Grenzen bis in die jüngste Vergangenheit immer neu gezogen wurden: auf dem Balkan. Vor knapp zwei Wochen rief der Chef der "Freien Bürgerpartei" die "Freie Republik Liberland" aus.

Als Operettenrepublik wolle er seine Idee nicht verstanden wissen, versicherte er Journalisten. Es gebe schließlich Vorbilder wie Liechtenstein, Hongkong oder Monaco. Außerdem erfülle Liberland alle Voraussetzungen für einen Staat: "Wir haben Land, und wir haben Bürger."

Der rund sieben Quadratkilometer große Flecken längs der beiden Ufer der Donau zwischen Serbien und Kroatien ist fast menschenleer und besteht größtenteils aus Wäldern, Wiesen und Sümpfen, die regelmäßig von der Hochwasser führenden Donau überschwemmt werden. Seit dem blutigen Untergang des alten Vielvölkerstaats Jugoslawien vor mehr als zwei Jahrzehnten streiten sich die beiden früheren Teilrepubliken um den Grenzverlauf und können sich nicht einigen. Das Gebiet zwischen den beiden Gemeinden Zmajevac (Kroatien) und Backi Monostor (Serbien) sei praktisch ungenutztes Niemandsland und die Donau ein "internationales Gewässer", meint Jedlicka.

Mittlerweile habe er es mit einer "Flut von Anträgen" auf eine Staatsbürgerschaft von Liberland zu tun, zitiert ihn das Balkanportal Birn. Bislang seien rund 250 000 Anmeldungen eingegangen, insgesamt rechne Jedlicka mit einer Million "Staatsbürger". Er sei sehr optimistisch, dass die Uno sowie Kroatien und Serbien seine Zwergrepublik anerkennen würden. Doch dürfte es damit keine Eile haben: Die Regierungen in Zagreb und Belgrad hielten es bislang nicht einmal für nötig, auf den "Eindringling" aus dem Norden zu reagieren.

Nächste Woche solle die "Besiedlung" des neuen Staates beginnen, kündigte Jedlicka an. Ob er sich als selbst ernannter Gründungspräsident freien Wahlen stellen will, sagt er nicht. An potenzielle Liberlandler stellt er jedenfalls bereits Bedingungen: Sie müssten "freie und ehrliche Bürger" sein und in einem Land leben wollen, denen der Staat keine Vorschriften mache. Nicht erwünscht sind Nazis, Kommunisten und sonstige Extremisten. Gegner der Europäischen Union hingegen sind willkommen, weil auch Jedlicka und seine "Bürgerpartei" antieuropäisch eingestellt sind. Der EU wirft er vor, bürokratisch und regelungswütig zu sein. In Liberland hingegen zahle Steuern nur, wer freiwillig welche zahlen wolle.

Liberlands Website zeigt zwei lächelnde junge Menschen, einen Mann und eine Frau, neben einem braun-weiß-blauen Fantasiewappen mit einem Baum und einem Vogel - den Symbolen für Überfluss und Freiheit, wie Jedlicka betont. Liberlands Flagge führt das Wappen vor einem gelb-schwarzen Hintergrund. Gelb stehe wiederum für die Freiheit, Schwarz für den "Widerstand gegen das System", erläutert der Möchtegern-Staatsgründer. Eine Nationalhymne werde gerade komponiert, berichtete der englische "Guardian" - und zwar von einem tschechischen Rapper. Liberland bezeichnet sich im Internet selbst als "konstitutionelle Republik mit Elementen direkter Demokratie"; Links zum Antragsformular für die Staatsbürgerschaft sind reichlich platziert.

Die 2009 gegründete tschechische Bürgerpartei, eine Abspaltung einstiger Anhänger von Präsident Vaclav Klaus, ist in Prag weder im Abgeordnetenhaus noch im Senat vertreten. Sie lag stets deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug ins Parlament. Doch bei der letzten Europawahl eroberte sie einen Sitz in Straßburg, den Parteichef Petr Mach besetzte.

Und jetzt ein eigener Staat? Wohl kaum - die EU hat es sich nach den Jugoslawien-Kriegen zwischen 1992 und 1995 zum Ziel gesetzt, Grenzverschiebungen auf dem Balkan nicht mehr zuzulassen.

Quelle: RP
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