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Ostukraine
Tausende Fälle von Verschleppung und Folter

Ostukraine: NGOs dokumentieren 4000 Fälle von Verschleppung und Folter
Die Ostukraine ist alles andere als befriedet - wie auch dieser Anschlag im April zeigt FOTO: dpa, sd pt
Berlin . Menschenrechtsorganisationen haben in der umkämpften Ostukraine 4000 Fälle von Verschleppungen und Folter dokumentiert, vor allem von Seiten prorussischer Separatisten.

In den Separatisten-Hochburgen Donezk und Luhansk hätten die NGOs Hinweise auf 79 Foltergefängnisse gefunden, berichtete der Deutschlandfunk am Mittwoch. Der Sender beruft sich auf 17 ukrainische Menschenrechtsorganisationen, die Opfer und Zeugen befragten und deren Aussagen dokumentierten. Die überwiegende Zahl der Misshandlungen findet demnach auf Seiten der prorussischen Rebellen statt. Auch russische Staatsangehörige seien daran beteiligt, berichtete der Deutschlandfunk. 58 Russen seien gar namentlich bekannt.

Die Menschenrechtler verzeichneten Verschleppungen und Folter aber auch auf ukrainischer Seite. In diesen Fällen ermittelt dem Bericht zufolge die ukrainische Staatsanwaltschaft. Die Menschenrechtsorganisationen wollen ihre Akten nun an das Internationale Kriegsverbrechertribunal (IStGH) in Den Haag weiterleiten.

Appell an Russland

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Vorwürfe würden "sehr ernst genommen", die Schuldigen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. "Und ganz besonders Russland ist aufgefordert, seinen Einfluss auf diese separatistischen Gruppierungen in der Ostukraine zur Geltung zu bringen in Richtung Mäßigung."

Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler (SPD), zeigte sich "tief geschockt" über den Bericht und forderte ein gerichtliches Vorgehen. Es gebe zwar schon seit langem Berichte über Tötungen, Verschleppungen, Folter, Zwangsarbeit, Erniedrigungen, Scheinerschießungen und Vergewaltigungsdrohungen in der Ostukraine, sagte Erler im Deutschlandfunk. Bisher sei aber die Beweislage schwierig gewesen.

Nun gebe es jedoch genaue Dokumentationen und Klarnamen, die dem IStGH vorgelegt werden könnten, sagte Erler dem Sender. Wichtig sei auch die Erkenntnis, "dass russische Militärangehörige involviert sind in diese Verbrechen".

(crwo/AFP)
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