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Schwere Gefechte schüren Angst
Ostukraine vor neuer Eskalation

Fotos: Soldaten entkommen Debalzewe
Fotos: Soldaten entkommen Debalzewe FOTO: afp, ss/tlr
Kiew. Schwere Gefecht befeueren die Angst, dass der Konflikt in der Ostukraine abermals eskaliert. Täglich sterben Menschen. Die OSZE bestätigt den Einsatz von schweren Geschützen.

Nach einem großen Gefecht in der Ostukraine am Mittwoch droht der Konflikt mit den prorussischen Separatisten erneut an Brutalität zu gewinnen. Vor den Toren der Rebellenhochburg Donezk kam es am Mittwoch trotz einer vereinbarten, aber brüchigen Waffenruhe zu schwerem Artilleriebeschuss. Sowohl die Separatisten als auch die ukrainischen Regierungstruppen meldeten Tote.

Am Donnerstagmorgen die grausige Bilanz: Binnen 24 Stunden wurden mindestens 24 Menschen getötet worden. OSZE-Beobachter bestätigten den Einsatz verbotener Waffen im Kriegsgebiet. Prorussische Separatisten hätten schwere Artillerie im Gebiet Donezk bewegt, teilte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) mit. Die ukrainische Militärführung habe sie zudem informiert, einen Angriff der Aufständischen mit schweren Geschützen erwidert zu haben.

Beide Seiten beschuldigten sich zuletzt gegenseitig. Der ukrainische Generalstab teilte mit, die Rebellen hätten rund 1000 Kämpfer, Dutzende Panzer und Artilleriesysteme entsandt, um damit eine große Morgenoffensive zu starten. Dies sei ein ungeheuerlicher Verstoß gegen die vereinbarte Waffenruhe gewesen.

"Die ukrainische Seite hat eine Provokation begonnen und unsere Stellungen entlang der Front beschossen", zitierte Interfax dagegen den prorussischen Milizenführer Wladimir Kononow. Seine Truppen hätten sich daraufhin nur verteidigt.

Der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko warf den Rebellen vor, Regierungsstellungen im Westen von Donezk beschossen zu haben.
"Der Feind versucht, vorzurücken" sagte er. "Ukrainische Truppen schlagen die Angriffe zurück und halten erfolgreich ihre Stellungen."

In der Region flammen trotz des seit Februar geltenden Waffenstillstands immer wieder Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den prorussischen Separatisten auf. Seit einigen Tagen gibt es Anzeichen, dass beide Seiten sich wieder ungezielt gegenseitig mit Granaten beschießen.

Regierungschef Arseni Jazenjuk beschuldigte erneut Russland, zu den Kämpfen anzustiften. Er rief die Teilnehmer des G7-Gipfels in den bayerischen Alpen auf, das russische Vorgehen zu verurteilen. Moskau hat bislang jegliche Beteiligung an dem Konflikt in der Ostukraine dementiert. Vielmehr machte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow die ukrainische Führung für die Kämpfe verantwortlich. "Wir hier in Moskau beobachten sie (die Kämpfe) genau und sind extrem besorgt über die provokativen Aktionen der bewaffneten ukrainischen Kräfte."

Ein Sprecher der ukrainischen Sicherheitsdienste berichtete, vier Soldaten des russischen Militärnachrichtendienstes GRU in Marinka getötet worden seien. Woher diese Informationen stammten, sagte er nicht.

Unterhändler beider Seiten hatten sich am Dienstag in Weißrussland zu Gesprächen über die Sicherung der Feuerpause getroffen, waren aber ohne greifbares Ergebnis auseinandergegangen. In dem Krieg in der Ostukraine sind seit April 2014 mehr als 6400 Menschen ums Leben gekommen.

(ap)
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