Kampf gegen Taliban: Pakistan befürchtet 500.000 Flüchtlinge
zuletzt aktualisiert: 05.05.2009 - 17:12Peshawar (RPO). Die Kämpfe zwischen den Taliban und den pakistanischen Streitkräften im Nordwesten des Landes könnten nach Angaben der Regierung bis zu 500.000 Menschen in die Flucht schlagen. Die Behörden ordneten am Dienstag die Evakuierung von Mingora an, der wichtigsten Stadt im Swat-Tal.
Es würden unverzüglich sechs neue Flüchtlingslager errichtet, erklärte der Informationsminister für den Nordwesten, Mian Iftikhar Hussain. Ein Militäreinsatz in dem Gebiet schien damit wahrscheinlicher und ein umstrittenes Friedensabkommen der Regierung mit den Fundamentalisten endgültig geplatzt.
Kämpfer der Taliban bezogen überall im Swat-Tal Stellungen und legten Minen, wie der oberste Verwaltungschef Khushal Khan erklärte. Ein Augenzeuge in Mingora sagte der AP, Kämpfer mit schwarzen Turbanen seien in der ganzen Stadt und hätten sich auf den meisten Straßen und Hausdächern postiert. Die Sicherheitskräfte hätten sich verbarrikadiert. Ein anderer Augenzeuge, der aus Angst um seine Sicherheit ebenfalls anonym bleiben wollte, berichtete von heftigen Schusswechseln den ganzen Tag über.
Hunderte ergriffen schon am Dienstag die Flucht, oft nur mit dem Nötigsten im Gepäck. Ein nächtliches Ausgehverbot wurde aufgehoben, um die Evakuierung nicht zu behindern. Die Kämpfe mit den Taliban dauern bereits fast zwei Jahre an; Zehntausende sind seither aus der bergigen Region geflohen, die einst ein beliebtes Urlaubsziel war.
Taliban-Sprecher Muslim Khan sagte, die Kämpfer der Organisation kontrollierten 90 Prozent des Tals und reagierten damit nur auf die Verletzung des Friedensabkommens durch die Regierung. "Alles wird in Ordnung sein, wenn unsere Herrscher aufhören, vor Amerika zu kuschen", sagte er telefonisch der AP.
Kämpfe in den Bezirken Buner und Dir dauern an
Nachdem die Streitkräfte die Aufständischen nicht besiegen konnten, kam es im Februar zu dem Friedensvertrag, der international heftig kritisiert wurde. Die meisten Beobachter im Westen sahen darin einen gefährlichen Kniefall vor den Fundamentalisten. Im April wurde dort offiziell eine strenge Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia, eingeführt. Die Taliban legten ihre Waffen jedoch nicht nieder, sondern rückten in den angrenzenden Bezirk Buner vor, nur rund 100 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad.
Die pakistanischen Streitkräfte führen in den nordwestlichen Bezirken Buner und Dir seither eine Offensive gegen die Extremisten durch. Dabei wurden nach Militärangaben mehr als 100 Aufständische getötet, deren Kämpfer sind aber noch nicht zurückgeschlagen. Auch eine Militäroffensive im Swat-Tal, die international wohl begrüßt würde, hat bestenfalls gemischte Erfolgsaussichten. Den Streitkräften war es schließlich seit zwei Jahren nicht gelungen, die volle Kontrolle über die Region zurückzugewinnen.
Ein Selbstmordattentäter steuerte unterdessen im Nordwesten des Landes sein mit Sprengstoff beladenes Auto in ein Fahrzeug der paramilitärischen Polizei. Dabei wurden mindestens fünf Menschen getötet, darunter vier Zivilpersonen, wie die Behörden in Peshawar mitteilten. Mehr als 20 weitere Menschen, darunter zehn Soldaten und Polizisten sowie zwei Kinder, wurden verletzt.
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