Aus Protest gegen Haftbedingungen: Palästinensische Gefangene treten in Hungerstreik
zuletzt aktualisiert: 15.08.2004 - 18:34Jerusalem (rpo). Mehr als 1.600 in Israel inhaftierte Palästinenser sind aus Protest gegen die Haftbedingungen am Sonntag in den Hungerstreik getreten. Unterdessen wurde bekannt, dass der ebenfalls inhaftierte Fatah-Funktionär Marwan Barghuti einen Aktionsplan für den Gazastreifen nach dem Rückzug der israelischen Streitkräfte erarbeitet hat. Dieser scheint bei den diversen palästinensischen Gruppierungen auf Zustimmung zu stoßen.
Die Gefangene hätten Frühstück und Mittagessen verweigert, tränken aber Wasser, sagte der Leiter der Gefängnisbehörde, Eli Gavinson. Die protestierenden Häftlinge verlangten die Genehmigung für mehr Telefonate sowie Familienbesuche und ein Ende der Leibesvisitationen. Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Tzahi Hanegbi, lehnte dies ab. Israel wirft den Häftlingen vor, hinter Gittern weiter Anschläge zu planen und dafür auch Familienmitglieder einzuspannen.
Der Streik wurde organisiert von der Hamas, dem Islamischen Dschihad und der Fatah-Bewegung des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat. Bis zum Ende der Woche wollen sich nach deren Angaben sämtliche 7.500 palästinensische Gefangene dem Hungerstreik anschließen. Hunderte Palästinenser bekundeten bei Demonstrationen im Gazastreifen und Westjordanland ihre Solidarität mit den Häftlingen.
Der 18-Punkte-Plan Barghutis, von dem die Nachrichtenagentur AP eine Kopie erhielt, sieht vor, dass die Palästinenser alle Gewalt gegen Israel einstellen und ihre Waffen niederlegen, sobald sich Israel aus dem Gazastreifen zurückgezogen hat. Die Palästinensische Autonomiebehörde soll die souveräne Regierungsmacht sein, doch werden umfassende Reformen in der Verwaltungsstruktur vorgeschlagen. Dazu gehören auch Kommunalwahlen binnen sechs Monaten.
Ein Vertrauter des zu lebenslanger Haft verurteilten Barghuti erklärte, die in Damaskus ansässige Führung von Hamas und Islamischem Dschihad habe positiv auf den Plan reagiert. Auch Ägypten, das eine Vermittlerrolle spielt, zeigte sich angetan. Dem Plan wird einiges Gewicht beigemessen, weil Barghuti bei vielen der extremistischen Gruppen Respekt genießt.
Israelische Hubschrauber feuerten am Sonntagmorgen zwei Raketen auf das Flüchtlingslager Rafah im Gazastreifen ab. Aus israelischen Militärkreisen verlautete, die Raketen seien zur Absicherung von Bodentruppen während einer Routineaktion auf freies Feld abgefeuert worden. Rafah liegt an der Grenze zu Ägypten, Israel geht dort häufig gegen Extremisten vor.
In der Altstadt von Jerusalem wurde ein israelischer Grenzpolizist schwer verletzt, dem ein Palästinenser ein Messer in den Hals stach. Der Polizist erschoss den Angreifer, wie die Behörden mitteilten.
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