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Verwicklung in Panama Papers
Der Anfang vom Ende des britischen Premiers Cameron

Panama Papers: Der Anfang vom Ende des britischen Premiers Cameron
Der britische Premier David Cameron. FOTO: dpa, mr cs wst
Meinung | Düsseldorf. Nach dem Rücktritt des isländischen Regierungschefs Gunnlaugsson könnten die Enthüllungen der Panama Papers auch zum Fallstrick für weitere Spitzenpolitiker werden. Aber im Fall Cameron hat der Skandal sogar Auswirkungen auf die Zukunft Europas. Von Martin Kessler

Politisch gesehen ist David Cameron bereits ein toter Mann. Der britische Premier hat gegen ein Grundgesetz der Demokratie verstoßen: Wer bewusst täuscht und dabei erwischt wird, muss gehen. Das ist dem Spitzenmann der britischen Konservativen passiert.

Als in den Panama-Papieren über geheime Offshore-Geldanlagen der Name von Camerons verstorbenem Vater, einem Banker, auftauchte, bezeichnete der Politiker das zunächst als Privatsache. Einen Tag später erklärte er, mit der Briefkastenfirma seines Vaters nichts zu tun zu haben. Dann schob er nach, auch seine Familie sei nicht beteiligt. Wieder gingen zwei Tage ins Land, ehe er zugab, dass er zumindest bis 2010 an dieser ominösen Firma beteiligt war.

So etwas nennt man bewusste Verschleierung und Täuschung. Und die sind in einer Demokratie mit freier Presse und Meinungsäußerung nicht tolerierbar. Nach diesen Regeln müsste Cameron zurücktreten. Seine Glaubwürdigkeit hat er jedenfalls eingebüßt.

Soweit betrifft es die britische Innenpolitik. Mit seinem Fehlverhalten und seinem verheerenden Krisenmanagement fügt Cameron aber auch der Europäischen Union (EU) schweren Schaden zu. Denn der britische Premier ist der prominenteste Befürworter eines Verbleibs seines Landes in der EU beim Referendum am 23. Juni. Mit seinem Verhalten nährt er bei seinen Landsleuten jetzt den Verdacht, dass Europa nicht nur undemokratisch, sondern auch ein Club der Reichen sei, die ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Steuern entrichten wäre demnach allein Sache der Durchschnittsverdiener, die obendrein immer mehr für Brüssel zahlen müssten.

Cameron kann das nur heilen, indem er schnell zurücktritt und einen anderen, glaubwürdigeren Politiker die Sache Europas vertreten lässt. Bleibt er im Amt, dürften die Befürworter des Brexit, eines britischen Austritts aus der EU leichtes Spiel haben. Leider steht kein geborener Nachfolger zur Verfügung. Somit beeinflusst die Affäre Cameron auch das Schicksal Europas. Die Veröffentlichung der Panama-Papiere besitzt enorme Sprengkraft.

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