| 18.12 Uhr

Panama Papers
Isländischer Premierminister tritt zurück

Panama Papers: Islands Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson tritt zurück
Sigmundur David Gunnlaugsson gibt auf. FOTO: afp
Düsseldorf. Die Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Steueroasen haben erste politische Konsequenzen: Islands Regierungschef Sigmundur David Gunnlaugsson erklärte am Dienstagabend seinen Rücktritt.

Es waren die größten Proteste in der Geschichte Islands, da ist sich die Polizei am nächsten Tag sicher. Um die 12.000 Menschen versammeln sich am Montagabend vor dem Parlament in Reykjavik, schmeißen mit Bananen und Eiern. Die Menschen in dem kleinen Inselstaat mit nur 330.000 Einwohnern kochen vor Wut. Wut auf ihren Regierungschef. Die ist so groß, dass sie die politischen Verhältnisse in Island auf den Kopf stellt. Als am Dienstag auch der Rückhalt in den eigenen Reihen schwindet, zieht Sigmundur David Gunnlaugsson die Konsequenzen: Er tritt zurück.

Keine Geduld mehr

Der Geduldsfaden reißt den Isländern, als sie ihren Regierungschef am Sonntagabend im Fernsehen dabei beobachten müssen, wie er aus einem Interview herausstürmt. Vorher faucht er den Reporter an. Das war eine dumme Reaktion, gibt Gunnlaugsson hinterher zu.

Es ist eine aufgezeichnete Sendung vom März, es geht um die Enthüllungen über Steueroasen in den Panama Papers. Der Journalist hat Gunnlaugsson auf eine Briefkastenfirma auf den Britischen Jungferninseln angesprochen, die Gunnlaugssons Frau gehört - und einst auch ihm gehört haben soll. Seit der Ausstrahlung kennt der Zorn der Isländer keine Grenzen mehr.

Die Wut ist grenzenlos

Selbst nach dem Bankenkollaps 2008 gingen auf der Vulkaninsel im Nordatlantik nicht so viele Menschen auf die Straße. Schon damals machten die Isländer mit ihrem trotzigen Zorn auf sich aufmerksam.
Die Republik stand wegen der wahnwitzigen Kreditabenteuer der drei größten isländischen Banken mit einem gigantischen Schuldenberg da.
Doch die Wikingernachfahren wehrten sich in zwei Referenden dagegen, die Banken gesund zu sparen und mit ihren Steuergeldern für die Schulden der Internetbank Icesave im Ausland geradezustehen.

2013 wählten die Isländer Gunnlaugsson, den jungen Mann aus wohlhabendem Elternhaus, als Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit ins Amt - wohl vor allem, weil sie unzufrieden mit der Verteilung der Krisenlasten waren. Damals war der Liberale mit seinen nur 38 Jahren ein politischer Jungspund, der sein Land in die Zukunft führen sollte. Jetzt fühlen sich die Isländer von ihm betrogen.

Erst der Versuch mit Neuwahlen

"Wäre er Ministerpräsident in einem anderen Land, wäre er vor langer Zeit zurückgetreten", meint die Isländerin Margret Buhl. Drinnen im Parlament werden die Protestierer gehört. Erst stellt die Opposition am Montag einen Misstrauensantrag. Dann kommt Gunnlaugsson dem am Dienstag zuvor und bittet Islands Präsidenten Ólafur Ragnar Grímsson um Erlaubnis, das Parlament aufzulösen und Neuwahlen auszurufen. Dann geht er noch einen Schritt weiter. Er gibt sein Amt auf.

Schon nach der Aufzeichnung der Sendung im März hätte Gunnlaugsson ahnen können, dass die Ausstrahlung in einer Katastrophe enden würde.
Da nützte es auch nichts, dass seine Frau in einem Facebook-Eintrag die Offshore-Firma Wintris erstmals erwähnt, die Gunnlaugsson und sie 2007 zunächst gemeinsam besessen haben sollen, bevor ihr späterer Mann ihr seine 50 Prozent der Anteile 2009 für einen Dollar übertragen haben soll.

Gläubigerliste der Krisenbanken

Wütend macht die Inselbewohner nicht nur, dass ihr Regierungschef und seine Frau Millionen in einer Offshore-Firma versteckt haben könnten.
Sie sind auch sauer darüber, dass Wintris laut "Süddeutscher Zeitung" auf der Gläubigerliste der Krisenbanken stehen soll.

Als Ministerpräsident hatte Gunnlaugsson Abkommen zwischen Gläubigern und Banken verhandelt. "Der Premierminister hat den isländischen Bürgern vor Gläubigern - auch vor seiner Frau - immer den Vorzug gegeben", verteidigt Gunnlaugssons Büro den Politiker in einer Mail an die Deutsche Presse-Agentur. Seine Landsleute schenken den Erklärungen aber keinen Glauben.

(csi/dpa)
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