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Paolo Tronca
Stadtkommissar führt Rom nach Absetzung des Bürgermeisters

Paolo Tronca führt Rom nach Absetzung von Ignazio Marino
Paolo Tronca führt Rom nach der Absetzung von Ignazio Marino. FOTO: ap, AJM AP
Rom. Bürgermeister Marino versuchte noch, seinen selbst eingereichten Rücktritt rückgängig zu machen - vergeblich. Seit Freitagabend ist er sein Amt los. Die Geschäfte werden nun kommissarisch geführt von einem Mann, der sich in Mailand hohes Ansehen erworben hat: Paolo Tronca.

Die italienische Hauptstadt wird nach dem erzwungenen Amtsende von Bürgermeister Ignazio Marino bis zu Neuwahlen im kommenden Frühjahr kommissarisch verwaltet. Die Regierung ernannte den bisherigen Mailänder Präfekten Francesco Paolo Tronca zum Stadtkommissar. Er soll nach dem Erfolg der Mailänder Weltausstellung Expo das schon am 8. Dezember beginnende außerordentliche Heilige Jahr in Rom mit vorbereiten, das bis zum 20. November 2016 dauert und Millionen von Pilgern in die ewige Stadt ziehen dürfte.

Der bisherige Bürgermeister Marino, dem vorgeworfen wird, private Essen mit der städtischen Kreditkarte bezahlt zu haben, hatte am 12. Oktober seinen Rücktritt eingereicht. Am Donnerstag machte er aber von der Möglichkeit Gebrauch, diesen binnen 20 Tagen zu widerrufen. Er gehört zur linken Demokratischen Partei (PD) von Ministerpräsident Matteo Renzi, in der er jeden Rückhalt verloren hatte. Am Freitag legten 26 Stadtverordnete ihre Mandate nieder, was die automatische Auflösung von Stadtparlament und Stadtregierung zur Folge hatte. Anschließend folgte die Ernennung Troncas.

Tronca hat hohes Ansehen in Mailand

So stehen im Frühjahr 2016 nun in den vier größten Städten Italiens Wahlen an, denn auch in Mailand, Neapel und Turin ist der Chefsessel im Rathaus neu zu besetzen. Darüber hinaus wird in der alten Linken-Hochburg Bologna gewählt, der siebtgrößten Stadt des Landes. Laut Presseberichten strebt Renzi einen gemeinsamen Wahltag an, an dem auch eine Volksabstimmung über die am 13. Oktober vom Senat verabschiedete Verfassungsreform stattfinden würde. Dies wäre ein Popularitätstest für Renzi und die PD. In Rom ist auch die populistische Fünf-Sterne-Bewegung des früheren Komikers Beppe Grillo laut Umfragen sehr stark.

Der Chirurg Marino war 2013 zum Bürgermeister gewählt worden. Er hatte einen Neuanfang versprochen in der von Korruptionsskandalen unter den vorangegangenen Rechtsregierungen erschütterten Stadt, agierte aber politisch ungeschickt und galt als führungsschwach.

Tronca hingegen hatte sich in Mailand hohes Ansehen erworben. Der Präfekt ist der Vertreter des Innenministers in der Stadtregion Mailand und dort unter anderem für die öffentliche Sicherheit verantwortlich. Vorige Woche hatte der Chef der italienischen Antikorruptionsbehörde, Raffaele Cantone, erklärt, Mailand sei "die moralische Hauptstadt Italiens", und Rom habe "keine Antikörper gegen die Korruption".

(lsa/dpa)
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