Reise führt auch nach Auschwitz: Papst hält Messe vor rund einer Million Polen
zuletzt aktualisiert: 28.05.2006 - 15:55Krakau (rpo). Papst Benedikt XVI. hat mit fast einer Million Gläubigen in Krakau eine Messe unter freiem Himmel gefeiert - einer der Höhepunkte seiner Reise durch Polen. Mit Spannung wird nun der Besuch des Kirchenoberhauptes im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz erwartet.
Von einem mit weißen und gelben Fuchsien geschmückten Podest rief der Pontifex am Sonntag die Gläubigen auf, den christlichen Glauben nach Europa und in die Welt hinauszutragen. Auf der letzten Station seine Reise wollte Benedikt XVI. am Abend Auschwitz-Birkenau besuchen und mit Überlebenden des Vernichtungslagers zusammentreffen. Dem Besuch kommt wegen der deutschen Herkunft des Papstes besondere Brisanz zu.
Schon bei seiner Ankunft empfingen die Gläubigen in Krakau den Papst mit Gesängen und Freudenrufen. Nur langsam kam sein Papamobil auf dem Weg durch die Menge voran. 2000 Geistliche, unter ihnen 20 Kardinäle sowie 150 Bischöfe und Erzbischöfe aus 16 Ländern, waren auf dem Platz in der Nähe der Innenstadt versammelt. Zur Begrüßung wandte sich Krakaus Erzbischof, Kardinal Stanislaw Dziwisz, an den Nachfolger von Johannes Paul II.: "Unser Haus ist das Deine, unsere Kirche ist Deine Kirche."
"Friede sei mit euch", sagte der Benedikt XVI. auf Polnisch zu der versammelten Menge. Die anschließende italienische Predigt wurde unter dem Applaus der Menge ins Polnische übersetzt. In Anspielung auf die erste Messe seines Vorgängers in Krakau rief der Papst die Polen zur Stärke im Glauben auf, derer sie "heute mehr als in jedem anderen Zeitalter" bedürften. Die Jugend Polens forderte der Papst zum Verzicht auf Drogen auf. Zuvor hatte er eine Sammlung mit Unterschriften von rund 30.000 jungen Menschen erhalten, die schwören, niemals illegale Drogen zu nehmen. "Ich bitte Euch wie ein Vater: Bleibt diesem Versprechen treu."
Bereits am Vorabend hatten sich mehr als 600.000 junge Menschen zu einer Andacht mit dem Papst auf dem Platz versammelt. Später zeigte sich der 79-Jährige vom berühmten "Papstfenster" im erzbischöflichen Palast in Krakau noch einmal der jubelnden Menge und dankte den Menschen auf Polnisch für einen "unvergesslichen Abend".
Nach der Messe am Sonntag stand dem deutschen Papst der schwerste Gang seiner Reise bevor: der Besuch des früheren Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, wo mehr als 1,1 Millionen Männer, Frauen und Kinder grausam getötet wurden. Benedikt XVI. wollte dort unter anderem 32 überlebende Vertreter der Gruppen treffen, die von den Nazis in das Lager verschleppt worden waren. Außerdem sollte er - unter anderem in deutscher Sprache - für die Toten von Auschwitz beten und eine Rede halten.
Auschwitz-Besuch eigene Idee
Benedikt XVI. werde Auschwitz als "Sohn des deutschen Volkes" besuchen, sagte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls am Samstag. Der Papst selbst habe bei der Planung der Polen-Reise persönlich darauf bestanden, auch das Konzentrationslager zu besuchen. Der ehemalige Kardinal Joseph Ratzinger war als Jugendlicher Mitglied der Hitler-Jugend. Während des Zweiten Weltkrieges war er Mitglied einer Luftabwehrbrigade, jedoch nie direkt an Kampfhandlungen beteiligt und war schließlich desertiert.
Der Nachfolger von Johannes Paul II. war in den vergangenen Tagen in dessen Heimatland begeistert empfangen worden. In Karol Wojtylas Geburtsstadt Wadowice südwestlich von Krakau hatten am Samstag 25.000 Gläubige dem Kirchenoberhaupt zugejubelt. Wahre Freudenstürme bei den Gläubigen löste die unerwartete Äußerung des Pontifex aus, er hoffe auf eine rasche Heiligsprechung seines Vorgängers. Benedikt XVI. hatte bereits einige Wochen nach dessen Tod im April 2005 den Prozess zur Seligsprechung von Karol Wojtyla angestoßen, ohne die sonst übliche Frist von fünf Jahren abzuwarten.
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