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Paris
Spitzenpolitiker führten Trauermarsch nicht an

Paris: Spitzenpolitiker führten Trauermarsch nicht an
FOTO: afp, CHM/JS/eba
Düsseldorf. Es war ein Zeichen der Solidarität gegen den Terror. Doch Fotos der Staats- und Regierungschefs beim Trauermarsch in Paris zeigen, dass die Politiker die Demonstration nicht wirklich angeführt haben. Die Gruppe wurde in einer abgeriegelten Straße abgelichtet – umgeben von Sicherheitskräften.

Nach dem Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" setzten am Sonntag beim Pariser Solidaritätsmarsch hunderttausende Franzosen ein eindruckvolles Zeichen gegen den Terrorismus. Rund 40 Spitzenpolitiker aus aller Welt liefen angeblich vorneweg, darunter auch Kanzlerin Angela Merkel Arm in Arm mit Präsident Francois Hollande.

Doch Fernsehaufnahmen und Fotos zeigen nun, dass die Politiker die Massen nicht so anführten, wie es die Bilder suggerierten. Vielmehr war die Gruppe durch einen Sicherheitsabstand isoliert vom Rest des Demonstrationszuges – umgeben von Sicherheitskräften. Angeführt wurde der Marsch von Angehörigen der ermordeten Journalisten und der Opfer aus dem jüdischen Supermarkt in Paris. Die Staats und Regierungschefs folgten dieser Gruppe über etwa 200 Meter und stiegen dann wieder in Busse, die sie zum Elysée brachten.  

Als Grund für die isolierte Aufnahme wurden Sicherheitsmaßnahmen genannt. So sehr die Zusammenkunft der vielen Staats- und Regierungschefs ein Zeichen der Einigkeit gegen den Terror bleiben mag, so sehr sorgt die Aktion auch für Kritik, wie The Independent und Daily News berichten. So bezeichnet der US-Kommentator Gerry Hassan das politische Symbolbild als "Pseudo-Solidarität". Andere betonen, dass die Spitzenpolitiker wohl nicht "genau" auf der Kundgebung waren.

Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte bereits am Montag Hohn und Spott im Internet geerntet, nachdem er sich zeitweise in die erste Reihe des Trauermarsches vorgedrängelt hatte. Im Netz tauchten immer mehr Fotomontagen auf, auf denen sein Konterfei in historische Bilddokumente montiert wurde.

Unterdessen wird die Kritik an US-Präsident Barack Obama lauter, der nicht nach Paris reiste. Auch kein hochrangiges Regierungsmitglied aus Washington zeigte in der französischen Hauptstadt Flagge gegen den Terror. US-Medien reagierten mit teils scharfer Kritik - die Regierung gestand am Montag Fehler ein.

Jemand mit einem "höheren Profil" hätte teilnehmen müssen, gab Obamas Sprecher Josh Earnest zu. Doch angesichts des gewaltigen Sicherheitsapparats, der für einen Besuch Obamas in Gang gesetzt werden muss, sei das bei der kurzfristigen Planung kaum möglich gewesen. Dass die USA felsenfest zu ihren französischen Verbündeten hielten, stehe außer Frage, so Earnest.

Der von Pannenserien gebeutelte Secret Service hätte einen durch die Menschenmenge spazierenden Obama wohl ohnehin nur unter Schweißausbrüchen verkraftet. Auch wenn Obama gar nicht erst in die Nähe der Menschenmassen gekommen wäre, genauso wie die anderen Spitzenpolitiker auch.   

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