Erste Parlamentswahl seit Unabhängigkeit: Partei von Regierungschef Thaci liegt im Kosovo vorn
zuletzt aktualisiert: 12.12.2010 - 20:46Pristina (RPO). Im Kosovo haben die Bürger am Sonntag zum ersten
Mal seit der Unabhängigkeit von Serbien ein neues Parlament gewählt. Laut einer am Abend veröffentlichten Wählernachfrage lag die Demokratische Partei (PDK) von Ministerpräsident Hashim Thaci in Führung.Die Beteiligung war offenbar gering: Drei Stunden vor Schließung der Wahllokale hatten nur 34 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, wie die Wahlkommission mitteilte. Die Regierung in Belgrad hatte die serbische Minderheit im Kosovo zum Boykott aufgerufen. Beobachter fürchteten daher, dass die Parlamentswahl die ethnischen Spannungen vertiefen könnte.
Der Wählernachfrage des Gani-Bobi-Zentrums zufolge liegt die PDK sechs Prozentpunkte vor ihrem früheren Koalitionspartner, der Liga für ein Demokratisches Kosovo (LDK). Sie kommt demnach auf 31 Prozent der Stimmen, die LDK auf 25 Prozent. Auf den früheren Studentenführer Albin Kurti, der sich für eine Vereinigung mit Albanien einsetzt und jegliche Gespräche mit Serbien ablehnt, entfallen 17 Prozent. Das offizielle Wahlergebnis wird für Montag erwartet.
Stimmzettel unter Polizeischutz ausgeliefert
Die Stimmzettel wurden nach Angaben der Wahlkommission unter Polizeischutz ausgeliefert. Aus Sicherheitsgründen schlossen Wahllokale im Norden des Kosovos bereits drei Stunden früher als vorgesehen, wie Gewährsleute mitteilten. Zur Abstimmung aufgerufen waren 1,6 Menschen, insgesamt 29 Parteien, Bündnissen und Bürgerinitiativen traten an.
Thaci kündigte "freie und demokratische Wahlen" an und erklärte, es werde "so bald wie möglich eine neue Regierung" aufgebaut. Seine PDK galt vor der Abstimmung als Favorit. Erwartet wurde jedoch, dass keine einzelne Partei genug Mandate im 120-köpfigen Parlament gewinnt, um alleine regieren zu können. Zehn Sitze sind für die serbische Minderheit reserviert.
Überschattet wurde die Wahl von der Ermordung eines Bosniers, der im Auftrag der von Albanern dominierten Behörden die Wahl in der zwischen Serben und Albanern geteilten Stadt Mitrovica organisierte. Eine serbische Geheimorganisation, die sich selbst "Weiße Adler" nennt, bekannte sich am Sonntag zu der Tat.
In einem der Nachrichtenagentur AP vorliegenden Brief verkündet die Gruppe, sie werde es nicht dulden, dass "im Norden des Kosovos albanische Wahlen" abgehalten würden, und droht allen, die sich an der Abstimmung beteiligen, mit unangenehmen Konsequenzen.
Die Friedenstruppen der Nato und die EU-Polizei wurden in dem Brief als Kollaborateure der Albaner bedroht. Nach Polizeiangaben wurde das Schriftstück gefunden, nachdem ein von Nato-Truppen benutztes Haus beschossen wurde.
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