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Truppenpräsenz deutlich erhöht: Peking verschärft Tibet-Kurs

zuletzt aktualisiert: 21.03.2008 - 14:29

Zhongdian/China (RPO). Die chinesische Regierung verschärft ihren Kurs gegenüber Tibet. Inzwischen wird über das Internet mit Fotos nach Demonstranten gefahndet, die sich an den antichinesischen Protesten in Tibet beteiligt haben. Außerdem erhöht Peking die Truppenpräsenz: Tausende Soldaten wurden neu in die von Tibetern bewohnten Regionen im Westen Chinas verlegt.

Hunderte paramilitärische Polizisten rückten seit Donnerstag in Tibet an, auch in den Nachbarprovinzen gab es neue Truppenaufmärsche. Augenzeugen berichteten am Freitag von einer Demonstration von Mönchen in Zeku in der Provinz Qinghai und einer massiven Präsenz militärischer Einheiten.

In der vor allem von Tibetern bewohnten Stadt Zhongdian im Norden der Provinz Yunnan zogen rund 30 mit Schlagstöcken bewaffnete Soldaten auf dem zentralen Platz auf. Auch in nahegelegenen Städten sowie in der Tigersprung-Schlucht, die zu den größten Touristenattraktionen Chinas zählt, wurden die Patrouillen verstärkt.

Nach einem Treffen mit dem Dalai Lama verurteilte die demokratische Spitzenpolitikerin Pelosi das Vorgehen der chinesischen Behörden gegen die Demonstranten in Tibet und rief die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf. "Wenn freiheitsliebende Menschen in aller Welt sich nicht zu China und den Chinesen in Tibet äußern, haben wir alle moralische Autorität verloren, uns zu Menschenrechten zu äußern," erklärte Pelosi am Freitag im nordindischen Dharamsala. Sie erklärte den derzeitgen Konflikt zur "Gewissenfrage für die gesamte Welt".

Bericht über mehr Tote

Nach neuen Angaben von Exiltibetern wurden bei den Unruhen in Tibet und der Nachbarprovinz Gansu insgesamt 99 Menschen getötet. Die Regierung in Peking hat die Zahl der Todesopfer mit 16 angegeben.

Die chinesische Regierung räumte inzwischen ein, dass sich die Unruhen ausgeweitet haben. Bei Ausschreitungen in einem tibetischen Gebiet der chinesischen Provinz Sichuan wurden vier Demonstranten bereits am Sonntag mit Schüssen verletzt. Die Polizei habe in Notwehr gehandelt, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag. Es war das erste Mal seit Beginn der Proteste vor einer Woche, dass die Regierung Schüsse auf Demonstranten bestätigte.

Dalai Lama will mit Peking sprechen

Der Dalai Lama hat Peking erneut Gespräche angeboten und die internationale Gemeinschaft um Hilfe gebeten. Die Menschen in Tibet seien hilflos und unbewaffnet, erklärte das geistliche Oberhaupt der Tibeter. Er habe sich stets nur für mehr Autonomie eingesetzt, nicht für eine komplette Unabhängigkeit.

Die chinesischen Behörden riegelten Tibet und die angrenzenden Provinzen derweil für alle Ausländer ab. Als einer der letzten unabhängigen Beobachter verließ der deutsche Journalist Georg Blume die Region. Das chinesische Außenministerium riet auch Touristen, die Unruheprovinzen zu meiden.

Mehrere asiatische Staaten zeigten sich zuversichtlich, dass der Fackellauf vor den Olympischen Sommerspielen wie geplant stattfinden werde. Möglicherweise müssten die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt werden, an der Route werde sich aber nichts ändern, erklärten die Olympischen Komitees in Indien, Japan, Südkorea und Vietnam. Die Fackel wird am Montag in Griechenland entzündet.

Steinmeier fordert Öffnung

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat die chinesische Führung unterdessen aufgefordert, ausländische Beobachter nach Tibet einreisen zu lassen. "Wir wollen genau wissen, was in Tibet passiert ist. China schadet sich selbst, wenn es ausländische Beobachter daran hindert, sich ein eigenes Bild der Lage zu machen", sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung.

"Die Bundesregierung sagt den Chinesen unmissverständlich: Schaffen Sie Klarheit", betonte Steinmeier. Eine Lösung könne nur im Dialog liegen, fügte er hinzu. "Die Tibeter wollen ihre Kultur bewahren, China will politische Stabilität - dafür müssen beide Seiten aufeinander zugehen."

Steinmeier kündigte an, am Wochenende mit seinem chinesischen Amtskollegen zu telefonieren und mit ihm über die Lage in Tibet zu sprechen. Auf die Frage, ob westliche Politiker angesichts der Vorgänge in Tibet guten Gewissens zur Olympiade nach Peking reisen könnten, sagte der Vizekanzler: "Diese Frage kann nur die Regierung in Peking beantworten."

Quelle: ap

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