Wende in der Tibet-Krise: Peking will Vertreter des Dalai Lama treffen
zuletzt aktualisiert: 25.04.2008 - 12:00Peking (RPO). Es wäre eine sensationelle Wendung in der Tibet-Krise: Chinas Regierung ist nach offiziellen Angaben bereit, einen Vertreter des Dalai Lamas zu treffen, meldet die Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf Regierungskreise in Peking. Der Dalai Lama begrüßte das Angebot in einer ersten Reaktion.
Peking sah sich nach den blutigen Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa Mitte März zunehmenden Forderungen nach Gesprächen mit dem Dalai Lama konfrontiert. Druck machten dabei auch die USA und die Europäische Union. Die Lage in Tibet war am Freitag auch eines der zentralen Themen beim Treffen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Peking mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao. Dieser sprach schon vorab von einem Besuch "zu einem sehr wichtigen Zeitpunkt".
Das Eingehen auf den Gesprächswunsch des Dalai Lamas schien sich schon beim Treffen Barrosos mit Wen anzudeuten. Er sei zuversichtlich, dass es schon bald eine "positive Entwicklung in dieser Frage geben werde", sagte der EU-Kommissionspräsident nach der Beratung. Etwa zur gleichen Zeit meldete Xinhua das in Kürze geplante Treffen.
In der Vergangenheit gab es schon sechs Verhandlungsrunden zwischen Vertretern Chinas und des Dalai Lamas. Direkte Gespräche lehnte China ab, und die Erklärung des Dalai Lamas, er strebe keine Unabhängigkeit, sondern eine Autonomie für Tibet an, wurde in Peking mit Skepsis aufgenommen. Ziel der Gespräche solle es sein, die Anhänger des geistlichen Oberhaupts der tibetischen Budhhisten dazu zu bewegen, ihre Proteste und Versuche aufzugeben, die Olympischen Spiele zu sabotieren, zitierte Xinhua einen Regierungsmitarbeiter. Nur dadurch könnten die Vorbindungen für Verhandlungen geschaffen werden.
China wirft Dalai Lama Sabotage vor
China machte den Dalai Lama für die Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa verantwortlich und warf ihm vor, damit die Olympischen Spiele im August sabotieren zu wollen. Nach offiziellen Angaben der Behörden kamen bei den Unruhen 22 Menschen ums Leben, die tibetische Exilregierung spricht von mindestens 140 Toten. Vorwürfe Pekings, er strebe eine Unabhängigkeit Tibets an, wies der Dalai Lama mehrfach zurück und betonte, Tibet wolle lediglich eine Autonomie.
Auf der Tagesordnung der europäisch-chinesischen Beratungen stand dem Vernehmen nach eine breite Palette von Themen, neben dem Tibet-Konflikt waren dies unter anderem auch noch Handelsfragen und der Schutz von Urheberrechten. Vor dem Treffen in der Großen Halle des Volkes sprach Barroso von einem bedeutenden Schritt zur Stärkung der Partnerschaft zwischen China und Europa. Es sei das erste Mal, dass es eine Unterredung in diesem Rahmen gebe. Zu Barrosos Delegation gehören neun Kommissionsmitglieder.
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