Nach Massaker: Philippinische Präsidentin ruft Kriegsrecht aus
zuletzt aktualisiert: 05.12.2009 - 11:11Shariff Aguak (RPO). Knapp zwei Wochen nach dem Massaker auf den Philippinen mit 57 Toten hat Präsidentin Gloria Arroyo am Samstag das Kriegsrecht in der Provinz Maguindanao verhängt. Die Behörden begründeten den Schritt damit, dass die Privatarmee des für das Massaker verantwortlich gemachten Ampatuan-Clans sich in Stellung gebracht habe. Clan-Chef Andal Ampatuan Senior und drei weitere Clan-Mitglieder wurden festgenommen.
Arroyo habe das Kriegsrecht ausgerufen, um Forderungen von Angehörigen der Opfer nach Gerechtigkeit nachzukommen, sagte Präsidentensprecher Cerge Remonde. Der Ausnahmezustand werde "so bald wie möglich" wieder aufgehoben. Laut Verfassung darf er höchstens zwei Monate lang in Kraft bleiben. Es war das erste Mal seit dem Ende der Diktatur von Ferdinand Marcos, dass auf den Philippinen das Kriegsrecht ausgerufen wurde. Von 1972 bis 1981 hatte es für das ganze Land gegolten.
Justizministerin Agnes Devanadera wies in einer Pressekonferenz auf die angespannte Lage in der südlichen Provinz Maguindanao hin. "Wir haben den Beginn eines Aufstands in der Gegend bemerkt", sagte sie. Zahlreiche schwer bewaffnete Männer hätten sich dort gesammelt. Die philippinische Armee stationierte mehr als 4000 Soldaten in Maguindanao und errichtete Straßensperren rund um die Provinzhauptstadt Shariff Aguak.
Soldaten und Straßensperren
Der philippinische Polizeichef Jesus Verzosa und Armee-Stabschef Victor Ibrado erklärten, von der großen Privatarmee des Ampatuan-Clans gehe große Gefahr aus. Am Donnerstag hatten philippinische Sicherheitskräfte wenige hundert Meter vom Anwesen der Ampatuan-Familie in Shariff Aguak entfernt ein Waffenlager ausgehoben. Dort wurden Waffen und Munition gefunden, mit denen etwa 1000 Kämpfer ausgerüstet werden könnten, darunter Anti-Panzer-Waffen, Granaten und Maschinengewehre.
Der Chef des Ampatuan-Clans wurde in der Nacht zu Samstag in seinem Haus in Maguindanao von Spezialkräften festgenommen, wie ein Armeesprecher mitteilte. Andal Ampatuan Senior regiert die Provinz seit 2001 als Gouverneur und war bis zu dem Massaker vor knapp zwei Wochen ein Verbündeter von Präsidentin Arroyo.
Ebenfalls festgenommen wurden Ampatuans Sohn Zaldy Ampatuan, der ein autonomes muslimisches Gebiet im Süden der Philippinen regiert, der Vize-Gouverneur von Maguindanao, Akmad Amaptuan, sowie der Bürgermeister Anwar Ampatuan. Sie sollten in die Hauptstadt Manila geflogen und dort befragt werden. Weitere Festnahmen würden folgen, sagte Armeesprecher Romeo Brawner. Die Polizei habe rund 80 Verdächtige aufgelistet, darunter Mitglieder des Ampatuan-Clans.
Bereits vergangene Woche war der Sohn des Gouverneurs von Maguindanao, Andal Ampatuan Jr., inhaftiert und wegen Mordes angeklagt worden. Er soll das Massaker geplant und mit etwa 100 bewaffneten Männern ausgeführt haben. Bei dem Massaker waren am 23. November mindestens 57 Menschen teilweise schwer misshandelt und anschließend regelrecht hingerichtet worden. Zu den Todesopfern zählen 27 Journalisten und mindestens 22 Frauen.
Die Unterstützer und Angehörigen des Vizebürgermeisters von Buluan, Esmael Mangudadatu, waren in Begleitung von Journalisten auf dem Weg zu einem Wahlbüro gewesen, um Mangudadatus Kandidatur für die Gouverneurswahl im Mai 2010 einzureichen. Dies wollte der Clan des amtierenden Gouverneurs offenbar verhindern.
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