Staatsbegräbnis in Krakau: Polen nimmt Abschied von den Kaczynskis
zuletzt aktualisiert: 18.04.2010 - 18:40Krakau (RPO). Mit einem Staatsbegräbnis haben die Polen am Sonntag Präsident Lech Kaczynski und seiner Frau Maria die letzte Ehre erwiesen. Beide wurden nach einem Trauergottesdienst im Krakauer Wawel beigesetzt. Viele Staatsgäste blieben der Feier allerdings fern, weil die Aschewolke über Europa ihre Anreise verhinderte. Umso mehr danken die Polen Russlands Präsident Medwedew.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy oder EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso - sie alle hatten mit Verweis auf die erheblichen Behinderungen im europäischen Flugverkehr ihre Teilnahme an den Beisetzungsfeierlichkeiten abgesagt. Nicht so Medwedew. Er trat den Flug trotz des wegen der Vulkanaschewolke aus Island gesperrten Luftraums an und landete pünktlich zur Trauerfeier in Krakau.
Der Kreml setzte offenbar alle Hebel in Bewegung, um eine Teilnahme des Staatschefs an der Beisetzung des auf russischem Boden verunglückten polnischen Präsidenten Lech Kaczynski zu gewährleisten. Die schwierige Annäherung der ungleichen Partner ist damit um ein starkes Symbol reicher.
In diesem Sinn äußerte sich auch der Krakauer Erzbischof Stanislaw Dziwisz in seiner Trauerrede. "Die Sympathie und Hilfe, die wir von unseren russischen Brüdern erhalten haben, hat der Hoffnung auf engere Beziehungen und Aussöhnung zwischen unseren beiden slawischen Völkern neues Leben eingehaucht", sagte der Erzbischof mit Blick auf die wechselvolle Geschichte beider Staaten.
Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Guido Westerwelle flogen mit Hubschraubern nach Krakau. Mit an Bord waren Musiker der Berliner Philharmoniker sowie ihr Dirigent Simon Rattle, die für die musikalische Untermalung des Trauerakts engagiert waren.
Rund 150.000 Menschen verfolgten am Sonntag vor der Marienkirche und auf Großleinwänden die Totenmesse. Zu Ehren des tödlich verunglückten Präsidentenpaars wurden 25 Salutschüsse abgegeben. Nach dem Gottesdienst wurden die Särge mit den beiden Toten in einer feierlichen Prozession zur Wawel-Burg gebracht. Zigtausende Menschen säumten den Weg dorthin. Anschließend wurden die Särge in der Krypta der Wawel-Kathedrale beigesetzt.
Ihre letzte Ruhestätte fanden die Kaczynskis in der Nähe des Grabs von Jozef Pilsudski, dem Vater der polnischen Unabhängigkeit von 1918. Die Entscheidung, sie in der Wawel-Kathedrale zu beerdigen, hatte in den vergangenen Tagen für Proteste in Polen gesorgt. Die Wawel-Kathedrale ist die traditionelle Grabstätte der polnischen Könige. Sie gilt als nationales Heiligtum.
Westerwelle beteuert Freundschaft
Am Rande der Trauerfeierlichkeiten in Krakau sagte Außenminister Westerwelle: "In dieser schweren Zeit der Trauer wollen wir bei unseren polnischen Nachbarn und Freunden sein. Wir wollen mit unserem östlichen Nachbarn Polen ein genau so enges und freundschaftliches Verhältnis aufbauen, wie uns das mit unserem westlichen Nachbarn Frankreich in den vergangenen Jahrzehnten gelungen ist."
Bereits am Samstag war mit einer ergreifenden Trauerfeier in Warschau aller 96 Opfer der Flugzeugkatastrophe von Smolensk gedacht worden. Um 08.56 Uhr, dem Zeitpunkt des Flugzeugabsturzes eine Woche zuvor, läuteten im ganzen Land die Kirchenglocken; die Sirenen heulten. Auf dem Pilsudski-Platz im Herzen Warschaus versammelten sich rund hunderttausend Menschen zu einem Gedenkgottesdienst, die mitgeführten polnischen Fahnen verwandelten den Ort in ein rot-weißes Farbenmeer.
Kaczynski und seine Delegation waren am Samstag vor einer Woche auf dem Weg zu den Feiern für die Opfer des Massakers von Katyn, wo vor 70 Jahren tausende polnische Offiziere von der sowjetischen Geheimpolizei getötet wurden.
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