Unterwegs mit Jürgen Rüttgers (4): Politische Gespräche im "Plano Piloto"
VON GERHARD VOOGT - zuletzt aktualisiert: 30.10.2008 - 09:20Brasilia (RP). Brasilia hat hat ein Cockpit und zwei Flügel. Als die Planer die brasilianische Hauptstadt in den 50er Jahren entwarfen, wählten sie als Grundriss für die Metropole die Form eines Flugzeugs. Die Kontur des "plano piloto" ist bis heute deutlich auf dem Stadtplan zu erkennen - ein Unikat auf dem Globus.
Brasilia löste Rio de Janeiro 1960 als neue Hauptstadt ab. Damals war der Star-Architekt Oscar Niemeyer für das Neubau-Projekt in der Mitte des Landes verantwortlich. Die Stadt gilt heute als Klassiker der Moderne, wurde 1987 zum Weltkulturerbe ernannt. Im Vergleich zu Sao Paolo wirkt Brasilia wie eine Oase. Der Verkehr auf den breiten Straßen fließt fast ohne Staus. Alles ist grün. Viele Bewohner sind angstlos zu Fuß unterwegs. In der Hauptstadt gibt es nur wenige Elendsviertel. In Brasilia leben vor allem Menschen der Mittel- und Oberschicht.
Das Park-Hotel "Brasilia Alvorado", in dem die Delegation untergebracht ist, zählt nicht zu den architektonischen Highlights. Das Gespräch mit NGO-Vertretern zum Thema "Regenwald und Klimaschutz" findet in einem fensterlosen Keller-Konferenzraum statt. Der Informationswert ist ebenfalls trist. Die Umweltschützer erklären, sie wollten eine "Mentalität der Nachhaltigkeit" zum Schutz des Urwalds schaffen, wollen eine "verbesserte Zusammenarbeit der Ebenen" erreichen. Mutiger Widerstand hört sich anders an. Rüttgers wirkt wenig angetan und spielt mit einem Plastiklöffel. Jeder Zeitungsbericht informiert effizienter über die Abholzungen.
Gute Stimmung dann beim Mittagessen auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung im Steakhaus, bei dem zwölf verschiedene Fleischsorten gereicht werden. Rüttgers spricht über die globale Finanzkrise, empfiehlt die in Deutschland bewährte soziale Marktwirtschaft als Leitmodell für die Welt. "Er spricht wie ein Außenminister", sagt einer der Zuhörer.
Die im Anschluss geplante Zusammenkunft mit dem brasilianischen Wirtschaftsminister fällt ins Wasser. Der sei unerwartet von Staatspräsident Lula da Silva abgeordnet worden, heißt es. Rüttgers spricht mit dem stellvertretenden Minister und fordert ein aktiveres wirtschaftliches Engagement der Südamerikaner in Deutschland. In NRW haben sind bislang nur fünf Firmen aus Brasilien niedergelassen.
Am Nachmittag fliegt die Delegation weiter nach Rio de Janeiro. Name und Anschrift der Unterkunft am Zuckerhut hören sich verheißungsvoll an: Copacabana Palace, Avenida Atlantica 1702.
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