Nachfolger Nasheeds legt bereits Amtseid ab: Polizei-Proteste stürzen Präsidenten der Malediven
zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 14:42Colombo (RPO). Nach dem Rücktritt des maledivischen Präsidenten Mohamed Nasheed hat sein Stellvertreter offiziell die Macht übernommen: Mohammed Waheed Hassan legte am Dienstag nur wenige Stunden nach dem Rücktritt seines Vorgängers den Amtseid ab.
Nach wochenlangen Protesten hatte Nasheed am Dienstag seinen Rücktritt erklärt. Er wolle die Probleme im Land nicht noch verschärfen und betrachte den Schritt daher als die beste Option, sagte der Regierungschef am Nachmittag in einer im Staatsfernsehen übertragenen Ansprache.
Ausgelöst wurden die seit Wochen anhaltenden Proteste in dem Inselstaat im Indischen Ozean durch die Festnahme eines Richters, der die Freilassung eines prominenten Regierungskritikers angeordnete hatte.
Am Dienstag schlossen sich auch zahlreiche Polizisten einer Demonstration in der Hauptstadt Male an. Sie protestierten insbesondere gegen eine Anweisung, nicht länger für die Sicherheit von Demonstranten sorgen zu sollen.
Soldaten gingen schließlich mit Gummigeschossen gegen die Polizisten vor. Bei den Auseinandersetzungen wurden mindestens drei Menschen verletzt. Als der Präsident die demonstrierenden Polizisten besuchte, und sie zu einem Ende des Protests aufforderte, weigerten sich diese und forderten stattdessen seinen Rücktritt.
Bekannt für Kampf gegen Klimawandel
Nasheed, ein früherer Menschenrechtsaktivist, hatte die Macht im Jahr 2008 nach den ersten freien Wahlen im Land übernommen.
International bekannt wurde er vor allem durch sein Engagement im Kampf gegen den Klimawandel - als Inselstaat sind die Malediven mit etwa 300.000 Einwohnern in besonderem Maße von einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels bedroht.
"Ich habe das Gefühl, dass mein Verbleiben an der Macht die Probleme nur verschärfen und den Bürgern schaden wird", sagte Nasheed in seiner Fernsehansprache. "Also ist ein Rücktritt die beste Option, die ich habe." Der bisherige Vizepräsident Hassan ist auch schon für die Vereinten Nationen tätig gewesen, unter anderem als Leiter eines Kinderhilfswerks in Afghanistan.
Auswärtiges Amt rät vom Besuch Males ab
Wegen der politischen Krise auf den Malediven rät das Auswärtige Amt seit Dienstag allen Urlaubern vom Besuch der Hauptinsel Male ab. Nach ersten Informationen sind bislang jedoch keine deutschen Touristen von den Unruhen betroffen. Auf der Flughafeninsel und in den Ferienressorts sei die Lage ruhig.
Infolge einer "akuten politischen Krise" gebe es in Male zum Teil gewalttätige Demonstrationen, heißt es in der am Dienstag aktualisierten Fassung des Reisehinweises. Der Deutsche Reiseverband erklärte, die meisten Malediven-Urlauber gelangten über die Flughafeninsel Hulule direkt auf ihre jeweiligen Urlaubsinseln und kämen daher in der Regel "mit der Hauptinsel nicht in Berührung".
Derzeit befinden sich laut Angaben des Reiseverbandes rund 5000 Deutsche auf den Malediven. Der Inselarchipel mit knapp 400.000 Einwohnern besteht aus 1192 Einzelinseln, von denen 200 bewohnt sind. Die Malediven sind bei westlichen Urlaubern - und wegen ihrer Korallen- und Fischvielfalt besonders bei Tauchern - sehr beliebt.
Der Verkehr zwischen der Flughafeninsel Hulule und den Inseln mit den Urlauberresidenzen sei "nicht beeinträchtigt", heißt es auf der Webseite des Auswärtigen Amtes. Der Reiseveranstalter TUI gab die Zahl seiner Urlauber auf den Malediven mit 850 an. "Die Gäste bekommen von den Demonstrationen nichts mit", sagte TUI-Chefreiseleiterin Claudia Stepanek.
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