Exil-Tibeter wollen demonstrieren: Polizeiaufgebot schützt Olympia-Zeremonie
zuletzt aktualisiert: 24.03.2008 - 08:32Athen (RPO). Heute soll im antiken Olympia die Flamme für die Olympischen Sommerspiele in Peking entzündet werden. Tibetische Dissidenten haben Proteste angekündigt. Die Polizei hat für den Schutz der Zeremonie strenge Sicherheitsvorkehrungen getroffen. 1000 Einsatzkräfte sollen die Demonstranten von der Feier fernhalten.
Der Sprecher der Organisation Studenten für ein freies Tibet, Tenzin Dorjee, rief das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu auf, Tibet von der Liste der Regionen zu streichen, durch die die Fackel getragen werden soll. "Die chinesische Regierung hat Blut an ihren Händen", sagte er mit Blick auf die jüngsten Unruhen in Tibet.
Griechenland stellte ein Aufgebot von rund 1000 Polizisten bereit, um tibetische Demonstranten von der Feier fernzuhalten, zu der auch IOC-Präsident Jacques Rogge erwartet wird. Am Sonntag probten als antike Priesterinnen verkleidete Schauspielerinnen die Zeremonie vor den Ruinen des Hera-Tempels in Olympia, der Geburtsstätte der Spiele.
Von Griechenland aus wird das Olympische Feuer um die halbe Welt bis nach Peking getragen, wo am 8. August die Olympischen Sommerspiele feierlich eröffnet werden sollen. Der Fackelzug soll bis auf den Gipfel des Mount Everest führen. Dies bedeutet, dass auch tibetisches Territorium durchlaufen wird, was zahlreiche Proteste ausgelöst hat. China hat am Wochenende indessen noch einmal bekräftigt, den Staffellauf ohne jegliche Abstriche wie geplant durchführen zu wollen.
China riegelt sich ab
China griff derweil in den an Tibet grenzenden Regionen am Montag erneut zu scharfen Sicherheitsmaßnahmen. In Kangding in der westchinesischen Provinz Sichuan wurde am Montag ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP daran gehindert, die Stadt zu verlassen, um die von Unruhen betroffenen Gebiete nahe Tibet zu reisen. Am Tag zuvor hatte er bei einem Besuch in die Gebiete, in der eine große tibetische Minderheit lebt, mehr als 100 Militärfahrzeuge, zwei Militärlager und dutzende Polizeifahrzeuge gezählt. Auch in der an Tibet und Sichuan grenzenden Provinz Qinghai war am Sonntag ein AFP-Journalist an der Fahrt zu einem Dorf gehindert worden, wo es laut einer tibetischen Organisation zuvor zu Protesten gekommen war.
Die Taxifahrer in Kangding wurden nach eigenen Angaben von den Sicherheitskräften angehalten, nicht westwärts aus der Stadt zu fahren. Etwa 200 Kilometer nördlich von Kangding war es im Bezirk Ngawa in Sichuan vor einer Woche in Folge der anti-chinesischen Proteste in der tibetischen Hauptstadt Lhasa zu Zusammenstößen zwischen tibetischen buddhistischen Mönchen und der Polizei gekommen. Nach amtlichen chinesischen Angaben wurden dabei vier "Krawallmacher" angeschossen. Pro-tibetischen Organisationen zufolge wurden hingegen mindestens acht Demonstranten durch Schüsse getötet.
Scharfe Kritik an Pelosi
Die chinesiche Regierung verwahrt sich derweil gegen Kritiker. Auch US-Parlamentspräsidentin Nancy Pelosi, die den Dalai Lama in Indien besuchte, nimmt Peking nicht davon aus. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses habe "gegenüber gnadenlosen Randalierern ein Auge zugedrückt", schrieb die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag mit Blick auf Proteste in Tibet und anderen Landesteilen Chinas. Pelosi verteidige "Brandstifter, Plünderer und Mörder", geißelte die Agentur die demokratische Politikerin. Pelosi hatte den Dalai Lama in Dharamsala in Indien besucht und China wegen der Niederschlagung der Proteste in Tibet scharf kritisiert.
Bei den Protesten in Lhasa vor zehn Tagen war es zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. China gibt die Zahl der Todesopfer mit 19 an und versichert, 18 davon seien Zivilisten. Die Exilregierung der Tibeter in Dharamsala nennt die Zahl von 99 Toten. Unabhängige Bestätigungen für diese Zahlen gibt es nicht. China verweigert ausländischen Journalisten den Zugang zu Tibet.
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