Vier Demonstranten in Tunesien erschossen: Polizeichef ohrfeigt Frau
zuletzt aktualisiert: 06.02.2011 - 11:19Tunis (RPO). Bei Protesten gegen die Polizei sind in Tunesien mindestens vier Menschen getötet worden. Hunderte gingen auf die Straße, um die Entlassung des Polizeichefs zu fordern, nachdem dieser öffentlich eine Frau geohrfeigt hatte. Polizisten schossen in die aufgebrachte Menschenmenge.
In Tunesien sind Regierungskreisen und Augenzeugen zufolge bei erneuten Protesten vier Menschen von der Polizei getötet und 17 verletzt worden. Die Beamten hätten am Samstag auf Demonstranten geschossen, nachdem diese eine Polizeiwache mit Brandsätzen und Steinen beworfen hätten, verlautete aus Kreisen des Innenministeriums. Der Vorfall habe sich in der nördlichen Stadt El Kef ereignet.
An dem Protest hätten sich rund 1000 Menschen beteiligt. Sie hätten den Rücktritt des örtlichen Polizeichefs Khaled Ghazouani gefordert, dem sie Machtmissbrauch vorwerfen. Augenzeugen sagten dem staatlichen Fernsehen, Auslöser der Unruhen sei eine Ohrfeige gewesen, die der Polizeichef einer Frau verpasst habe.
Gewerkschaftsangaben zufolge wurde Ghazouani nach den Vorfällen festgenommen, woraufhin sich die Lage am Samstagabend entspannte.
Tunesien war jüngst Schauplatz wochenlanger heftiger Demonstrationen gegen die Regierung, in Folge derer der langjährige Staatschef Zine El Abidine Ben Ali aus dem Land floh. Bei dem Volksaufstand in dem nordafrikanischen Land im Januar waren den UN zufolge mindestens 147 Menschen getötet und 510 verletzt worden. Tunesien ist Vorbild für andere Anti-Regierungs-Proteste, insbesondere in Ägypten.
Mitte dieser Woche hatte Tunesiens Übergangsregierungschef Mohammed Ghannouchi die Bevölkerung zur Rückkehr an die Arbeitsplätze aufgerufen. Damit soll ein Zusammenbruch der Wirtschaft verhindert werden. Viele Tunesier waren zuletzt aus Angst vor Gewalt oder Übergriffen zu Hause geblieben.
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