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Neuer Geheimdienstzar: Porträt Negroponte: Knallharter Profi

zuletzt aktualisiert: 22.04.2005 - 11:44

Washington (rpo). Dieser Mann ist ein Mann für alle Fälle: Vierzig Jahre lang diente der Karrierediplomat John Negroponte an Brandherden in der ganzen Welt - von Vietnam über Zentralamerika bis zum Irak. Nun hat US-Präsident George W. Bush dem knallharten Profi den wohl härtesten Job seiner Karriere übertragen: Als erster Nationaler Geheimdienstdirektor soll Negroponte die Schlüsselrolle in der als historisch bewerteten Reform der US-Nachrichtendienste übernehmen.

Der bisherige Botschafter in Bagdad soll dafür sorgen, dass die 15 US-Nachrichtendienste mit ihren insgesamt 100.000 zivilen und militärischen Mitarbeitern künftig besser zusammenarbeiten, damit sich Pannen und Versäumnisse wie vor den Terroranschlägen des 11. September 2001 nicht wiederholen. "Wenn wir die Terroristen stoppen wollen, bevor sie zuschlagen, müssen wir dafür sorgen, dass unsere Nachrichtendienste als ein einziges, vereintes Unternehmen arbeiten", hatte Bush nach Negropontes Nominierung im Februar betont.

Allerdings hatte sich der Präsident im vergangenen Jahr erst nach längerem Zögern hinter die von der Untersuchungskommission zum 11. September angestoßenen Bestrebungen zur Neuordnung der Nachrichtendienste gestellt. Besonders im Pentagon, das unter Ressortchef Donald Rumsfeld seine eigenen geheimdienstlichen Aktivitäten erheblich ausgeweitet hatte, gab es massive Widerstände gegen die Reform.

So wurden denn auch im Zuge der Beratungen im Kongress die ursprünglich für den Geheimdienstzaren vorgesehenen Kompetenzen beschnitten. Statt das gesamte 40-Milliarden-Dollar-Budget der Nachrichtendienste zu kontrollieren, werden es etwa 70 Prozent sein. Die restlichen 30 Prozent bleiben unter Kontrolle des Pentagon. Auch wird Negroponte nur sehr eingeschränkte Befugnisse bekommen, Personal und Gelder umzuschichten. Unbestritten wird er jedoch der wichtigste Mann der Geheimdienst-Gemeinde sein. Seine Aufgabe wird es sein, den Präsidenten tagtäglich über die neuesten nachrichtendienstlichen Erkenntnisse zu unterrichten.

Umstrittene Figur

Der in London geborene Sohn eines griechischen Reeders und Absolvent der US-Elitehochschule Yale ist allerdings in Washington eine umstrittene Figur. Kritiker haben immer wieder an seine zwielichtige Rolle als Botschafter in Honduras in den 80er Jahren erinnert. Damals baute die US-Regierung unter Ronald Reagan das zentralamerikanische Land mit massiver Militärhilfe zu einer Bastion gegen die linken Sandinisten im benachbarten Nicaragua aus. Negroponte wird beschuldigt, vor den Menschenrechtsverstößen des honduranischen Militärregimes und den Aktivitäten von Todesschwadronen beide Augen zugedrückt zu haben.

Bushs Vertrauen erwarb sich Negroponte durch seine Rolle vor und nach dem Irak-Krieg. Als Botschafter bei der UNO musste er gegenüber der widerspenstigen Mehrheit im Sicherheitsrat die rigorose Linie seines Präsidenten gegenüber dem irakischen Machthaber Saddam Hussein verfechten. Der Diplomat der alten Schule tat dies - bei aller Härte in der Sache - jedoch stets mit Diskretion und geschliffenen Manieren.

Botschafter im Irak

Als Botschafter in Bagdad hatte Negroponte dann seit vergangenem Juni vor allem die Aufgabe, den Aufbau ziviler und demokratischer Strukturen voranzutreiben. Er sorgte mit dafür, dass trotz der Welle der Gewalt der Zeitplan eingehalten wurde und die Wahlen am 30. Januar stattfanden. Seine Frau und seine fünf Adoptivkinder nahm Negroponte aber wegen der Gefahren für Leib und Leben nicht mit in den Irak.

Auch in seinem neuen Job wird Negroponte extremes Durchsetzungsvermögen brauchen. Denn die zahlreichen Rivalitäten unter den Geheimdiensten, vor allem zwischen der CIA und den Nachrichendiensten des Pentagon, könnten durch die Reform zunächst eher angeheizt als gemildert werden. Bush aber setzt nicht zuletzt auch auf die diplomatischen Fähigkeiten seines neuen Geheimdienstzaren: Negroponte habe ein "gutes Gespür" dafür, wie er die Reform auf eine Weise voranbringen könne, die die "verschiedenen Interessen berücksichtigt". 

Quelle: afp

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