Direkter Kontakt auf Ministerebene zuletzt vor zwei Jahren: Powell und Sun suchen Ausweg aus Atomkonflikt
zuletzt aktualisiert: 02.07.2004 - 14:27Jakarta (rpo). Der amerikanische Außenminister Colin Powell und sein nordkoreanischer Kollege Paek Nam Sun suchen gemeinsam einen Ausweg aus dem Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm. Am Rande des ASEAN-Regionalforums in Jakarta kamen sie erstmals seit zwei Jahren zu einer persönlichen Unterredung zusammen.
Beide äußerten sich im Anschluss zuversichtlich, dass die Krise friedlich beigelegt werden könne. Thema des ASEAN-Regionalforums (ARF) war neben dem Streit um das nordkoreanische Atomprogramm auch die Sicherheitslage in Asien.
Laut US-Außenamtssprecher Richard Boucher ging es bei dem 20-minütigen Gespräch um die Vorschläge beider Länder bei den Sechs-Nationen-Gesprächen zum Atomstreit. Die USA hatten Nordkorea am vergangenen Wochenende in Peking eine dreimonatige Übergangsfrist angeboten, innerhalb der das Land seine atomaren Kapazitäten abbauen und versiegeln solle. In diesem Zeitraum wollen die USA die wirtschaftlichen und Sicherheitsbedürfnisse Nordkoreas prüfen. Nordkorea hatte den Vorschlag abgelehnt. Pjöngjang erklärte sich lediglich bereit, sein Atomwaffenprogramm gegen Ausgleichszahlungen "einzufrieren".
Powell bekräftigte in seinem Gespräch mit Paek das US-Angebot, wie Boucher mitteilte. Der US-Außenminister habe nach dem Treffen gesagt, es gebe "die Möglichkeit konkreter Fortschritte".
Paek sagte einer offiziellen Erklärung der nordkoreanischen Regierung zufolge, sein Land würde die USA nicht als "dauerhaften Feind" ansehen, wenn Washington seine "feindliche Politik" einstelle. "Zeitgleiches Handeln" sei die einzige Möglichkeit, die Krise beizulegen, erklärte Pjöngjang. Nordkorea sei zu einer "friedlichen nuklearen Abrüstung" bereit.
Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi kündigte unterdessen an, sein Land wolle die diplomatischen Beziehungen zu Nordkorea binnen eines Jahres normalisieren. Er denke, je früher dies geschehe, desto besser, sagte Koizumi im japanischen Fernsehen. Anfang der Woche hatte er als Zeitrahmen zwei Jahre vorgeschlagen. Die Beziehungen zwischen beiden Staaten belastet neben der Atomfrage auch die Entführung von Japaner durch nordkoreanische Agenten während des Kalten Krieges. Einige der Entführten konnten inzwischen nach Japan zurückkehren.
Wie Indonesiens Außenminister Makarim Wibisono sagte, wollten sich die ARF-Staaten in einer Erklärung für die nukleare Abrüstung auf der koreanischen Halbinsel aussprechen. Damit sei ein Fortschritt erzielt worden, denn erstmals habe Nordkorea den Begriff "nukleare Abrüstung" akzeptiert.
Dem ARF gehören die zehn ASEAN-Staaten und 14 weitere Mitglieder an, darunter die USA und die EU. Pakistan trat am Freitag als 24. Mitglied dem Regionalforum bei. Wichtigstes Thema der Gespräche auf Ministerebene waren die zahlreichen Piratenüberfälle in asiatischen Gewässern. Die USA befürchten, dass Terrorgruppen Öl- oder Gastanker kapern und damit einen ähnlich verheerenden Anschlag wie am 11. September 2001 verüben könnten. Allein in der Malakkastraße zwischen Indonesien und Malaysia werden ein Viertel der jährlichen Piratenüberfälle verübt.
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