Bolivien: Präsident schmeißt US-Botschafter aus dem Land
zuletzt aktualisiert: 11.09.2008 - 08:39La Paz (RPO). Boliviens Präsident Evo Morales hat den US-amerikanischen Botschafter als "unerwünschte Person" bezeichnet und ihn des Landes verwiesen. Der Diplomat habe gewalttätige Ausschreitungen der Opposition mit angestachelt, erklärte Morales in einer vom Fernsehen übertragenen Rede.
Botschafter Philip Goldberg habe sich an einer "Verschwörung gegen die Einheit des Landes und die Demokratie" beteiligt. Morales warf dem Diplomaten vor, die Autonomiebestrebungen der reichen Regionen und damit die Spaltung des Landes zu unterstützen.
Der Außenminister solle den US-Botschafter über die Entscheidung der Regierung und des Präsidenten informieren, dass er umgehend in seine Heimat zurückkehren solle, sagte Morales in La Paz. Das US-Außenministerium in Washington nannte die Vorwürfe "unbegründet". Es sei bislang nicht über die Entscheidung der bolivianischen Regierung informiert worden, sagte ein Sprecher.
Goldberg hatte sich am 24. August in der Provinzhauptstadt Santa Cruz mit dem oppositionellen Gouverneur Rubén Costas getroffen. Wenige Tage danach begannen in den Provinzen Santa Cruz, Tarija, Beni und Pando die Unruhen, die am Dienstag und Mittwoch eskalierten.
Zahlreiche Regierungsgebäude und Flughäfen wurden dabei besetzt und teilweise verwüstet. Nach einer Sabotage der Erdgaspipeline in Tarija musste Bolivien seine Gaslieferungen nach Brasilien reduzieren. Die gewalttätigen Demonstranten, die von den oppositionellen Politikern unterstützt werden, wehren sich dagegen, dass Erlöse aus dem Erdgasverkauf nun zum Teil den Rentnern im ganzen Land zugutekommen.
Morales war Mitte August aus einem Referendum über die Fortsetzung seiner Regierung gestärkt hervorgegangen. Er war 2005 zum ersten indianischen Präsidenten des südamerikanischen Landes gewählt worden.
Sein Versuch, den Reichtum des Landes zugunsten der indianischen Bevölkerungsmehrheit umzuverteilen, stößt bei der weißen Oberschicht im rohstoffreichen Tiefland auf erbitterten Widerstand. Bei Volksabstimmungen am 10. August waren Morales, aber auch vier oppositionelle Gouverneure mit großen Mehrheiten in ihren Ämtern bestätigt worden.
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