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Proteste in Venezuela
Panzerwagen überfährt Demonstranten in Caracas

Proteste gegen Venezuelas Staatschef Maduro eskalieren
Blutige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten in Caracas. FOTO: afp
Caracas. In Venezuela sind die Proteste gegen Staatschef Nicolás Maduro erneut eskaliert. Die Polizei ging brutal gegen Demonstranten vor. Ein Panzerwagen fuhr mitten in eine Menschenmenge.

Der Machtkampf im sozialistischen Venezuela droht außer Kontrolle zu geraten. Bei blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten fuhr ein Panzerwagen in Caracas in mehrere Menschen hinein, zudem wurde an anderer Stelle ein 17-jähriger Mann getötet. "Ein Jugendlicher, der noch das ganze Leben vor sich hatte", sagte der Bürgermeister des Stadtteils Las Mercedes, Gerardo Blyde.

Bei den dramatischen Szenen mit dem Panzerwagen der Nationalgarde, der durch geworfene Molotow-Cocktails in Brand geraten war, wurde mindestens ein junger Mann von dem Wagen überfahren und schwer verletzt. Das teilte der Bürgermeister des Stadtteils Chacao, Ramón Muchacho, mit. Seinen Angaben zufolge wurden allein im Krankenhaus von Chacao am Mittwoch über 160 verletzte Demonstranten behandelt.

Demonstranten fordern Neuwahlen

Viele Menschen hatten sich mit Gasmasken für die Proteste gerüstet. Die Demonstranten werfen dem sozialistischen Präsident Nicolás Maduro die Errichtung einer Diktatur vor und fordern Neuwahlen. Seit Anfang April starben mehr als 30 Menschen, mehr als 1300 wurden festgenommen. Auch vier Abgeordnete des Parlaments wurden verletzt. Vizepräsident Freddy Guevara wurde dabei von einer Tränengasbombe getroffen. Er erlitt einer Beinverletzung.

Guevara ist einer der Hoffnungsträger der Opposition. Der 31-Jährige kommt aus der Studentenbewegung und will Neuwahlen erzwingen. Zudem fordert er die Freilassung politischer Gefangener. Er will die Proteste, die sich an zeitweiligen Entmachtung des von der Opposition dominierten Parlaments entzündet hatten, bis zum Erfolg fortführen. Guevara rief das Militär wiederholt zum Bruch mit Nicolás Maduro auf. Dieser beantragte bei der nationalen Wahlbehörde die Wahl einer Verfassungsgebenden Versammlung mit rund 500 Mitgliedern.

Maduro gibt Opposition die Schuld

Die Opposition fürchtet durch die geplante Zusammensetzung mit vielen Sympathisanten der Sozialisten Änderungen hin zu einer Diktatur. Zudem versuche Maduro damit, den geforderten Neuwahlen zu entgehen. Dieser entgegnete nun: "Wollt Ihr Wahlen? In einigen Wochen haben wir eine für die Verfassungsgebende Versammlung." Er bezichtigte erneut seine politischen Gegner, für die Eskalation verantwortlich zu sein.

Venezuela ist trotz der größten Ölreserven der Welt unter Maduro in die schlimmste Versorgungskrise seiner Geschichte geraten, der Präsident führt das auf den zeitweise stark gefallenen Ölpreis zurück. Schlangen vor oft leeren Supermärkten und Menschen, die im Müll nach Essbarem suchen, sind Alltag. Zudem hat die Gewalt zugenommen: 2016 wurden fast 28.500 Menschen in Venezuela ermordet.

(wer/dpa/AFP)
 
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