Atom-Test in Nordkorea: Provokationen eines Hungerstaates
VON GODEHARD UHLEMANN - zuletzt aktualisiert: 25.05.2009 - 18:57Düsseldorf (RP). Nordkorea testet seine zweite Atombombe und verstößt damit gegen internationales Recht. Die Spannungen in der Region nehmen zu. Pjöngjang lehnt die Wiederaufnahme von Verhandlungen ab. Viele Staaten wollen diese Provokation nicht einfach hinnehmen.
Ist Nordkorea eine Gefahr?
Ja. Der Besitz von Nuklearwaffen erhebt das Land zur Hegemonialmacht. Mit seiner Vormachtstellung kann es politisch Druck ausüben. Die gesamte Region wird sicherheitspolitisch destabilisiert und politisch erpressbar. Der Besitz der Atombombe allein nutzt nichts. Nordkorea muss auch entsprechende Trägersysteme entwickeln. Inzwischen verfügt das Land über Kurz-, Mittel- und Langsstreckenraketen, die Japan und auch die USA erreichen können. Außerdem wäre Nordkorea neben China die zweite kommunistische Atommacht der Region. Die Folge kann ein atomares Wettrüsten werden.
Wie groß ist das Arsenal?
Darüber gibt es nur Spekulationen. Um Waffen zu bauen, benötigt man hochangereichertes Uran, das Nordkorea in eigenen Atomanlagen produziert hat. Sicherheitsexperten und Geheimdienste gehen von Uran für höchstens zehn Bomben aus. Sie müssen aber technisch so verfeinert und verkleinert werden, dass sie auf Raketen montiert werden können. Auch dazu kann der gestrige Test gedient haben.
Wie stark war der Test?
Am 9. Oktober 2006 hatte Diktator Kim Jong Il erstmals eine Atombombe unterirdische testen lassen. Die zweite Bombe gestern hatte eine Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen. Die von den USA 1945 über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfenen Bombe besaß eine Sprengkraft von etwa 15 Kilotonnen. Den ersten nordkoreanischen Test hatten US-Experten auf weniger als eine Kilotonne beziffert. Eine Kilotonne entspricht 1000 Tonnen TNT-Sprengstoff.
War der Test eine Überraschung?
Nein. Das Regime in Pjöngjang hatte schon Ende April mit einem Test gedroht. Internationale Warnungen hatte es zurückgewiesen mit der Begründung, es lasse sich nicht in seiner Sicherheitspolitik unter Druck setzen. Die USA betrieben eine feindselige Politik.
Hat Nordkorea Recht?
Nein. Die internationale Gemeinschaft möchte das Atomproblem durch Verhandlungen lösen, um die Sicherheitslage in Asien zu stabilisieren. Die Verbreitung von Atomwaffen soll verhindert werden. Die mit Nordkorea darüber geführten Sechser-Gespräche (Nord- und Südkorea, China, USA, Japan und Russland) wurden von Pjöngjang für beendet erklärt, nachdem die Uno einen verbotenen Test einer Langstreckenrakete Anfang April gerügt und verschärfte Sanktionen angedroht hatte. Nordkorea verlangte eine Entschuldigung. China forderte gestern Pjöngjang auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das Raketen- und das militärische Atomprogramm verstoßen gegen Resolutionen der Uno. Weitere angekündigte Atomtests stehen dem internationalen Recht entgegen.
Was will Kim Yong Il erreichen?
Nordkoreas Diktator befehligt eine der größten Armeen der Welt mit 1,2 Millionen Soldaten. Die enormen Rüstungsausgaben des völlig verarmten Landes werden mit einer Bedrohung durch die USA begründet. Der frühere US-Präsident Bush hatte Nordkorea zur Achse des Bösen gerechnet. 40 Prozent der Nordkoreaner benötigen nach UN-Schätzung Nahrungsmittelhilfen gegen den Hunger.
Lebt Kim Jong Il noch?
Es gab Gerüchte, der Diktator sei vor Jahren gestorben, er habe einen Schlaganfall erlitten oder sei schwer krank. Beweise für seine Gesundheit gibt es nicht. Fotos von ihm lassen sich nicht einwandfrei auf Echtheit prüfen und datieren. Es hieß auch, er lasse sich von Doppelgängern vertreten. Ebenso gibt es Spekulationen, es werde eine Machtübergabe an einen seiner drei Söhne vorbereitet.
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