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Angeklagter Menschenrechtler
Steudtner fordert seine "bedingungslose Freilassung"

Prozess in Türkei - Steudtner weist Terrorvorwürfe gegen ihn zurück
Peter Steudtner sitzt seit Juli in der Türkei in Untersuchungshaft (Archiv). FOTO: dpa
Istanbul. Der in der Türkei inhaftierte deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner hat vor Gericht alle Terrorvorwürfe zurückgewiesen und seine Entlassung aus der Untersuchungshaft gefordert. Die Aussagen eines geheimen Zeugen bezeichnete er als absurd.

"Ich plädiere in allen Anklagepunkten auf nicht schuldig und fordere meine sofortige und bedingungslose Freilassung", sagte er am Mittwoch in seiner rund 40-minütigen Verteidigung vor dem Istanbuler Gericht.

Fotos: Prozess gegen Peter Steudtner in der Türkei hat begonnen FOTO: dpa, LP lof

Steudtner und zehn weiteren angeklagten Menschenrechtlern wird "Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation" beziehungsweise "Unterstützung von bewaffneten Terrororganisationen" vorgeworfen. 

Die Aussagen eines geheimen Zeugen, auf welche die Staatsanwaltschaft ihre Klage stützt, bezeichnete Steudtner als absurd. "Ich habe nie in meinem Leben irgendeine militante oder terroristische Organisation unterstützt". Einige der Terrororganisationen, denen er angeblich angehört haben soll, hätte er nicht mal beim Namen gekannt.

Steudtner verteidigt sich auf Englisch

Nach Steudtners Aussage fragte ihn der Richter, ob er bereuen wolle. Steudtners Anwalt intervenierte und sagte, sein Mandant habe nichts getan und daher auch nichts zu bereuen.

Der Prozess gegen Steudtner und zehn weitere Menschenrechtler begann am Mittwoch im Istanbuler Stadtteil Caglayan. Steudtner verteidigte sich auf Englisch, eine Übersetzerin übersetzte die Aussagen ins Türkische. Als Menschenrechtstrainer habe er sich in den vergangenen 20 Jahren stets für Menschenrechte, Gewaltfreiheit und Friedensbildung eingesetzt.

Sein Fokus habe zudem auf afrikanischen Ländern gelegen. Er habe in den vergangenen fünf Jahren in Mosambik, Angola, Kenia, Palästina, Nepal und Myanmar gearbeitet. "Ich habe mich nie auf türkische Organisationen konzentriert oder mit ihnen gearbeitet", sagte er. Steudtner bedankte sich zudem beim Gericht, dass er die Möglichkeit dazu habe, sich zu verteidigen. Er betonte seine Bereitschaft zur Mitarbeit bei dem juristischen Prozess, wie er es bisher getan habe.

Steudtner sitzt seit dem 18. Juli in Untersuchungshaft

Neben dem Deutschen gehören zu den Angeklagten der schwedische IT-Spezialist Ali Gharavi, die Direktorin von Amnesty International in der Türkei, Idil Eser, und der Vorsitzende der Organisation in der Türkei, Taner Kilic. Dafür drohen ihnen nach unterschiedlichen Einschätzungen zwischen 10 und 15 Jahren Haft. 

Steudtner, Gharavi und acht türkische Menschenrechtler waren am 5. Juli bei einem Workshop auf einer Insel bei Istanbul unter Terrorverdacht festgenommen worden. Die beiden Ausländer waren als Referenten zu dem Seminar eingeladen gewesen, bei dem es laut Amnesty International um digitale Sicherheit und die Bewältigung von Stresssituationen ging. Am 18. Juli verhängte ein Gericht in Istanbul daraufhin Untersuchungshaft gegen Steudtner und Gharavi und mehrere andere Beschuldigte.

Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten zahlreiche Menschen für die Freilassung der elf Aktivisten. Viele türkische Menschenrechtsaktivisten nahmen als Beobachter an dem Prozess teil, der Gerichtssaal war bis auf den letzten Platz besetzt. Auch der deutsche Generalkonsul Georg Birgelen und sein französischer Kollege Bertrand Buchwalter waren anwesend.

(ate/dpa/afp)
 
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