60 Jahre Kriegsende: Prunkvolle Militärparade für Kriegsopfer
zuletzt aktualisiert: 09.05.2005 - 10:00Moskau (rpo). In Moskau haben die Feierlichkeiten zum Kriegsende vor 60 Jahren mit einer Militärparade begonnen. Präsident Wladimir Putin gedachte zu Beginn der Millionen Opfern in der Sowjetunion. Zuvor hatte er mehr als 50 internationale Staatsgäste empfangen, unter ihnen auch Bundeskanzler Gerhard Schröder. Schröder nimmt als erster Staatschef aus Deutschland an den Feierlichkeiten in Moskau teil.
Putin erinnerte daran, dass auf dem Boden der Sowjetunion die grausamsten und entscheidenden Ereignisse stattgefunden hätten. "Die Millionen Toten verpflichten uns zu großer Verantwortung. Wir müssen erkennen, an welchem Abgrund die Welt stand. Welche monströsen Konsequenzen Gewalt, moralische Intoleranz und Völkermord haben können."
Die Parade auf dem Roten Platz, an der mehrere tausend Soldaten und 2.500 Veteranen teilnahmen, wurde von mehr als 50 Staats- und Regierungschefs verfolgt. Zum Auftakt schwenkten vier Elitesoldaten eine rote Flagge mit Hammer und Sichel. Es handelte sich um die Nachbildung der Flagge, die die 150. Division des sowjetischen Heeres nach der Erstürmung des Berliner Regierungsviertels über dem Reichstag gehisst hatten.
Nach der Epoche der globalen Konfrontation habe sich die Politik auf die Ideale von Freiheit und Demokratie gegründet, sagte Putin weiter. Ziel sei es, Frieden und Ruhe in Europa zu garantieren. Jeder Staat habe des Recht, sich unabhängig und selbstständig zu entwickeln. Als strahlendes Beispiel für eine Politik des Vertrauens nannte er die historische Versöhnung zwischen Russland und Deutschland. "Dies ist eine der wertvollsten Errungenschaften im Nachkriegseuropa", sagt Putin: "Ein nachahmenswertes Beispiel für die Weltpolitik."
Mehrere Staats- und Regierungschefs hatten aus unterschiedlichen Gründen ihre Teilnahme an der Militärparade abgesagt. Die Staatschefs von Estland und Litauen, Arnold Rüütel und Valdas Adamkus, boykottieren die Veranstaltung aus Protest dagegen, dass Russland die Einverleibung des Baltikums in die Sowjetunion zu Kriegsende bislang nicht als unrechtmäßig anerkannt hat. Der britische Premierminister Tony Blair sagte nach seinem Wahlsieg mit Hinweis auf die bevorstehende Regierungsbildung ab.
Schröder hat die Einladung nach Moskau als "große Ehre und Vertrauensbeweis für das deutsche Volk" bezeichnet. Nach Ende der offiziellen Feiern will er den Friedhof Ljublino besuchen, auf dem 486 deutsche Soldaten beigesetzt sind, die zwischen 1945 und 1949 in Kriegsgefangenschaft starben. 1994/95 hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge den Friedhof im Südosten Moskaus neu gestaltet.
Zusammen mit Putin trifft Schröder zum Abschluss seines Aufenthalts jeweils sieben deutsche und russische Veteranen. An dem Gespräch nehmen auch Jugendliche teil. Der Kanzler wird in Moskau von seiner Frau Doris Schröder-Köpf begleitet.
Die Feiern in der russischen Hauptstadt finden unter massiven Sicherheitsvorkehrungen statt. Mehr als 20.000 Polizeikräfte sollen im Einsatz sein.
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